Tiphanie Kim Mall — Mit der Kamera dazwischen

Tiphanie Kim Mall · Schwester, 2021, Filmstills, HD-Video, Farbe, Ton, 22’, Loop

Tiphanie Kim Mall · Schwester, 2021, Filmstills, HD-Video, Farbe, Ton, 22’, Loop

Tiphanie Kim Mall · Schwester, 2021, Filmstills, HD-Video, Farbe, Ton, 22’, Loop

Tiphanie Kim Mall · Schwester, 2021, Filmstills, HD-Video, Farbe, Ton, 22’, Loop

Besprechung

Jugendliche, die gefilmt werden und sich selbst filmen, in ihren Refugien zu Hause, beim Zurechtmachen für den Ausgang, unterwegs, in der Bar. In einer fokussierten Schau zeigt der Berner Ausstellungsraum Milieu den neuen Film von Tiphanie Kim Mall, die 2020 den Helvetia Kunstpreis erhielt.

Tiphanie Kim Mall — Mit der Kamera dazwischen

Bern — Wie schon bei früheren Filmen begab sich Tiphanie Kim Mall (*1987) auch diesmal mit der Kamera in den eigenen Familienkreis: War es bei ‹Echo der Zeit›, 2016/2017, das elterliche Umfeld in Basel und Reinach, für ‹Alogo›, 2019, der Reitclub ihrer Tante in der Nähe von Athen und 2020 eine Art Selbstporträt in der eigenen Wohnung aus Sicht ihrer ‹Hauskatze› mit aufgesetzter Kleinkamera, so war es diesmal die Clique ihres Halbbruders in der Basler Agglomeration. Dabei fällt auf, wie Mall die Kamera immer mal wieder aus der Hand gibt und die anderen filmen lässt, womit sie die Grenzen der Autorinnenschaft gekonnt verwischt, ohne sie gänzlich aufzugeben.
In ‹Schwester› nun kommen neben dem Bruder ein Freund und Freundinnen – alle um die 18 Jahre alt – sowie die titelgebende Künstlerin selbst vor. Sie treffen sich zuhause, in lockerer Atmosphäre, «machen sich schön», rücken vor dem Spiegel ihre Frisuren zurecht, checken das Outfit; später üben sie gar den korrekten Catwalk. Um «dazuzugehören» lässt sich Tiphanie von den Freundinnen und vom Bruder schminken. Dann begleitet sie die Clique im Ausgang zum Höhepunkt des Abends, der Rundfahrt in einer Limousine zu beliebten Orten der Jugendlichen in der Umgebung, und schliesslich in eine Shisha-Bar. Ständig filmt sie oder wird gefilmt, die Selfie-Kultur erweiternd und dokumentierend, denn die Freundinnen und Freunde fotografieren sich auch immer wieder selber, posten, chatten. Die Handkamera-Aufnahmen vermitteln den Anschein des Echten, Authentischen, und tatsächlich gibt es keine Inszenierung und kein Drehbuch im eigentlichen Sinne. Aber die Künstlerin orchestriert ihren Film durchaus, gibt Anweisungen und dirigiert die Beteiligten an den verschiedenen «Drehorten».
Eine stringente, allzu schlüssige Erzählung bleibt jedoch aussen vor. In ‹Schwester› verhallen manche Gespräche, verzerrt durch die Handykommunikation oder weil sie bruchstückhaft bleiben. Das Fragmentarische entspricht dem Zeitgeist und einer künstlerischen Qualität, wobei auch das Publikum gefordert ist. Durch Kameraeinsatz und Schnitt kreiert Tiphanie Kim Mall Filmgeschichten, worin sie selbst und ihre Beobachtungen, ihr Gespür für das Situative, für Ernst und Humor und die Befragung des Filmemachens deutlich werden. In den markanten und schlichten Räumen des Offspace Milieu, der seit 2020 von den drei Kunstschaffenden Selina Lutz, Livio Casanova und Hannes Zulauf kuratiert wird, kommt der neue Film von Tiphanie Kim Mall adäquat zur Geltung. 

Bis 
27.11.2021
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Tiphanie Kim Mall 07.10.202127.11.2021 Ausstellung Bern
Schweiz
CH
Autor/innen
Marc Munter
Künstler/innen
Tiphanie Kim Mall

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