Gabi Fuhrimann — Blick zurück und nach vorne

Gabi Fuhrimann · o. T., undatiert, Vorder- und Rückseite, Öl auf Sperrholz, 109,5 x 124,5 cm. Foto: Rolf Bismarck

Gabi Fuhrimann · o. T., undatiert, Vorder- und Rückseite, Öl auf Sperrholz, 109,5 x 124,5 cm. Foto: Rolf Bismarck

Gabi Fuhrimann · o. T., undatiert, Vorder- und Rückseite, Öl auf Sperrholz, 109,5 x 124,5 cm. Foto: Rolf Bismarck

Gabi Fuhrimann · o. T., undatiert, Vorder- und Rückseite, Öl auf Sperrholz, 109,5 x 124,5 cm. Foto: Rolf Bismarck

Besprechung

Sie hat zeitlebens auf Holz gemalt. Ihr Markenzeichen: Frauenfiguren in geometrisch gemusterten Kleidern, die im ähnlich gerasterten Hintergrund verschwinden. Dass die Holztafeln oft wörtlich zwei Seiten aufweisen, zeigt eine Hommage an die vor einem Jahr verstorbene Künstlerin Gabi Fuhrimann.

Gabi Fuhrimann — Blick zurück und nach vorne

Baden — Man muss in der Kunstgeschichte weit zurückgehen, um Kunstschaffende zu finden, die so ausschliesslich auf Holz malten wie die Ennetbadenerin Gabi Fuhrimann (1958–2021). Verwarf sie ein Gemälde, drehte sie den Bildträger um und schuf auf der anderen Seite etwas Neues. Meist arbeitete sie gleichzeitig an verschiedenen Werken, entwarf, korrigierte, zögerte, übte sich in Farbmustern. Diesem Findungsprozess und dem skulpturalen Aspekt ihrer Werke wollte man Rechnung tragen. «Also hängten wir nicht einfach Bild an Bild», sagt Kuratorin Claudia Spinelli vom Kunstraum Baden, die zusammen mit Fuhrimanns Ehemann, dem Künstler Rolf Winnewisser, die Ausstellung konzipierte. «Janusköpfige Bilder mit ihren zwei Gesichtern. Ein Blick zurück und ein Blick nach vorne», beschreibt Winnewisser die Ausgangslage.
So lassen sich die rund dreissig auf Sockeln montierten oder teilweise hängenden Doppelbilder wie Skulpturen umrunden. Ein schmales Holzbrettchen mit dem titelgebenden Zitat ‹entre chien et loup› – die Redewendung meint den Zeitpunkt der Dämmerung, wenn der Hund nicht mehr vom Wolf zu unterscheiden ist – hängt gleich eingangs über der Schau. Spielt die Künstlerin damit auf eigene diffuse Unsicherheiten beim Malprozess an, oder zitiert sie womöglich ganz einfach eine gleichnamige Alain-Delon-Biografie? Denn auch wenn Fuhrimann die Kunstgeschichte als Inspirationsquelle nutzte, so kannte sie keine Berührungsängste mit dem Trivialen: Walt-Disney-Figuren, Gangsterfilme und Kinderwelten. So lässt sie etwa keck eine Füchsin in Stiefeln und Trenchcoat die Gans aus dem bekannten Kinderlied stehlen. Eine prächtige Farbtafel mit einer hinter Streifen verschwindenden Figur, von der lediglich eine Hand und zwei Waden in Erscheinung treten, lässt tief blicken: Die Rückseite der Tafel ist gespickt mit Bildzitaten berühmter Gemälde – Badende, Jägerinnen, Odalisken. Verbirgt sich hier die tätige Kunstmalerin hinter den jahrhundertelang nur als passive Modelle dargestellten Frauen? Auf einer Sperrholzplatte wiederum erkennt man Farbproben, kleine Monotypien von Figuren und eine schwebende, grüne Schale. Auf ihrer Kehrseite springt eine Frau in buntem Karomuster mit erhobenen Armen förmlich aus dem Raster. Der fröhliche Anblick tut gut, bevor man in den Film von Max Treier eintaucht, dessen Kamera ein letztes Mal über das mittlerweile leer geräumte Atelier der Künstlerin streift. Zutiefst berührende Aufnahmen einer abwesenden und doch so präsenten, einzigartigen Künstlerin.

Bis 
20.11.2022

→ ‹Gabi Fuhrimann – Entre chien et loup›, Kunstraum Baden, bis 20.11.; Finissage mit Podium, 20.11., 16 Uhr: ‹Wie sich Künstler:innen entscheiden› ↗ www.kunstraum.baden.ch

Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Gabi Fuhrimann 03.09.202220.11.2022 Ausstellung Baden
Schweiz
CH
Künstler/innen
Gabi Fuhrimann
Autor/innen
Feli Schindler

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