Maude Léonard-Contant — Sprachgründe

Maude Léonard-Contant · Digs, 2022, Ausstellungsansichten Kunsthaus Baselland

Maude Léonard-Contant · Digs, 2022, Ausstellungsansichten Kunsthaus Baselland

Maude Léonard-Contant · Digs, 2022, Ausstellungsansichten Kunsthaus Baselland

Maude Léonard-Contant · Digs, 2022, Ausstellungsansichten Kunsthaus Baselland

Besprechung

Ein Boden aus Sand, eine Tischplatte aus Schiefer, ­Buchstaben aus Holz, Gefässe aus Ton und Pflanzen. Maude Léonard-­Contant entwirft in der Ausstellung ‹Digs› im Kunsthaus Baselland einen gleichsam mineralischen wie organischen Raum, in dem Sprache lagert, sich formt und wieder verhallt.

Maude Léonard-Contant — Sprachgründe

Basel/Muttenz — Die Plots hängen über die Brüstung, rollen aus auf die Galerie. Doch eine Handlung zeigt sich nicht. Buchstaben tauchen fragmentarisch auf zwischen den Falten und Schichten des Papiers. Ein Layout wie ein Stück Land, so die dritte Bedeutung von «Plot». Kleine blaue Lecksteine sind darauf verteilt und trainieren die Zunge, die wir brauchen, um Wörter zu formen. Zunge und Sprache – im französischen «langue» sind sie eins. Maude Léonard-Contant (*1979) weiss, was es bedeutet, neue Sprachen zu lernen. Aufgewachsen im französischsprachigen Québec, studierte sie in Montreal, das auch Tiohtià:ke oder Mooniyang heisst. Nach einem Zwischenhalt in Glasgow kam sie in die Schweiz, wo sie ihre Zunge zuerst an den Luzerner, dann an den Basler Dialekt gewöhnen musste. 2020 integrierte sie im Kunstmuseum Luzern erstmals eigene Texte in ihr skulpturales Werk. Nun, im Kunsthaus Baselland, schaffen Sprache und Material ihr künstlerisches Habitat.
Im ersten Raum erstreckt sich auf dem Boden eine Landschaft aus rotem Ölsand, der sowohl an einen Sandkasten als auch an die tieferen Schichten des kanadischen Waldbodens erinnert. Maude Léonard-Contant hat aus diesem Heimatgrund Worte und Satzfragmente ausgegraben. Die Negativformen sind leer, als müssten sie erst mit Bedeutung gefüllt werden. Im Verlaufe der Ausstellung wird die Künstlerin die Grabungsstätte verändern, neue Funde zum Vorschein bringen und andere verschwinden lassen. Im zweiten Raum haben die Buchstaben einen Körper, doch stehen sie nicht im Verbund eines Wortes. Als Fries ziehen sie den Wänden entlang rund um eine Tischskulptur, die Maude Léonard-Contant für die Schau entworfen hat. Wir sind eingeladen, die Buchstaben, die uns über Kopfhörer vorgesprochen werden, mit Kreide auf die schieferne Tischplatte zu schreiben. Geradezu körperlich können wir dadurch die Entstehung von bekannten und fremden Wörtern nachvollziehen.
Im letzten Raum schliesslich fügen sich die Buchstaben und Worte zu Texten. Aus Lautsprechern fallen die Szenen und Erinnerungen wie Tropfen in den Raum und verklingen, während der Blick von der Liege nach draussen schweift. Säulen aus schwarz-weissen Keramikelementen wachsen vom Boden bis durch die Glasdecke; dazwischen strecken sich Winter-Schachtelhalme in die Höhe. Als Maude Léonard-Contant auf diese urtümliche Pflanze in der Schweiz stiess, fühlte sie sich zuhause. Ein Gefäss mit Kalkmilch und eines mit Tusche nähren die Entfaltung der Pflanze und der Sprache, als wäre beides organisch miteinander verbunden. 

Bis 
13.11.2022
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Maude Léonard-Contant 09.09.202213.11.2022 Ausstellung Basel/Muttenz
Schweiz
CH
Autor/innen
Meret Arnold
Künstler/innen
Maude Léonard-Contant

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