Richard Gerstl

Richard Gerstl · Gruppenbild mit Schönberg, 1908, Öl auf Leinwand, 169 x 110 cm, Kunsthaus Zug, Stiftung Sammlung Kamm © ProLitteris

Richard Gerstl · Gruppenbild mit Schönberg, 1908, Öl auf Leinwand, 169 x 110 cm, Kunsthaus Zug, Stiftung Sammlung Kamm © ProLitteris

Otto Muehl · Schönberg Familienbild, 1988, Öl auf Leinwand, 150 x 160 cm, Privatbesitz, Courtesy Konzett Gallery © ProLitteris

Otto Muehl · Schönberg Familienbild, 1988, Öl auf Leinwand, 150 x 160 cm, Privatbesitz, Courtesy Konzett Gallery © ProLitteris

Hinweis

Richard Gerstl

Zug — Bei jeder Begegnung mit Richard Gerstl (1883–1908) berührt die Jugendlichkeit des Künstlers aufs Neue: Mit 15 wird er in die Akademie aufgenommen. Mit 25 bereits scheidet er, nach der Affäre mit Arnold Schönbergs Frau Mathilde, durch Freitod aus dem Leben. In knapp fünf Jahren entwickelt er ein einzigartiges malerisches Können, das die enorme Spannweite zwischen spätem Impressionismus und einer Vorwegnahme der (Wiener) Aktionskunst der 1960er durchmisst. Gerstl war als wacher und sensibler Geist hochgebildet, belesen und informiert über die aktuellsten Kunstströmungen, denen er in der Secession begegnen konnte. Die Schau in Zug, wo sich – in der Stiftung Sammlung Kamm – der grösste Gerstl-Bestand ausserhalb Wiens befindet, bietet erstmals seit rund dreissig Jahren in der Schweiz einen umfassenden Überblick über das Schaffen des Künstlers. Sie wartet mit den entscheidenden Hauptwerken auf – angefangen bei den frühen Selbstporträts, darunter der Halbakt auf blauem Grund des knapp Zwanzigjährigen, bis zum Selbstbildnis als Akt, entstanden 1908, kurze Zeit vor seinem Tod. Wir begegnen den teils in expressivem und in jeder Beziehung radikalem Duktus gemalten Gruppen- und Einzelbildern der Familie und Freunde Schönbergs, aber auch den am Traunsee entstandenen Landschaften sowie zwei der seltenen Selbstporträt-Zeichnungen.
Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Leopold Museum in Wien, das sie 2020 zeigte. Wegen Corona musste das Kunsthaus Zug sie auf 2022 verschieben. Während das Leopold Museum Gerstls Werk einbettete in sein damals aktuelles Umfeld, so fragt Zugs Kurator Matthias Haldemann nach der Bedeutung dieses Werkes als Inspirationsquelle vor allem für die Wiener Avantgarde der 1960er, deren körperbetonte Aktionskunst teils direkt an Gerstl anschliesst. Vor allem Otto Muehl ist da vertreten – mit Materialbildern der 1960er-Jahre, aber auch mit ganz direkten malerischen Bearbeitungen einzelner Gerstl-Motive und mit einem Film von Terese Schulmeister, zu dem er das Drehbuch schrieb. Zu sehen sind überdies drei ‹Schüttbilder› von 2020, die Hermann Nitsch vor seinem Tode am 18. April dieses Jahres noch für Zug bereitgestellt hat. Gewichtig ist auch Günter Brus vertreten – mit einem Video und Fotodokumentationen seiner Aktionen. Mit Gerstl setzen sich auch Georg Baselitz und Adrian Schiess auseinander. Weitere Künstler:innen: Martha Jungwirth, Arnulf Rainer, Herbert Brandl, Theo Altenberg. 

Bis 
04.12.2022

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