Hamish Fulton und Alan Charlton in der Galerie Tschudi

Alan Charlton · Untitled; Foto: Mancia/Bodme

Alan Charlton · Untitled; Foto: Mancia/Bodme

Besprechung

Zwei britische Künstler, die auf den ersten Blick verschiedener nicht sein können, zeigen erstmals gemeinsam ihre Arbeiten: Hamish Fulton, der Wanderer ohne Atelier, und Alan Charlton, bekannt als der Maler der grauen Bilder, seit fast dreissig Jahren. Beide beschreiten einen eindeutig ausgerichteten Weg. Bei Fulton sind Überraschungen vorstellbar, mindestens in der Wahl der Route. Charlton jedoch wird wohl immer graue Bilder malen. Gemeinsam ist beiden Künstlern ihre Beharrlichkeit, ja Obsession, die Fokussierung auf die eine Ausdrucksform.

Hamish Fulton und Alan Charlton in der Galerie Tschudi

Hamish Fulton unternimmt seine Wanderungen vermutlich alleine, still und konzentriert, macht Notizen, speichert Eindrücke und Erfahrungen, um diese – oftmals Jahre später – in seinen Werken umzusetzen. Er verändert nichts in der Natur, fügt nichts hinzu, nimmt nichts mit. Die knappen Notizen auf den später entstandenen Arbeiten sind meist nicht mehr als festgehaltene Fakten zu Ort, Zeit, Dauer des Unterwegs-Seins. In den nackten Texten, die in grossen schnörkellosen Lettern, farblich abgestimmt, ganze Wände füllen, wird die Emotion nicht visualisiert. Spürbar bleibt sie dennoch. Was konzeptionell kühl daherkommt, fordert zu eigener Betrachtungsleistung.Eindeutiger in ihrem Ansatz sind dagegen Fultons ganz neue, hochpoetische objekthafte Installationen, die in diesen Wochen in Glarus zu sehen sind. Hier sind naturhafte Assoziationen visuell erfahrbar – verhalten, doch eindeutig und nie plakativ. Alle Arbeiten wie die grazil aus schwarzen und weissen Holzleisten zusammengefügten Linien, die zu einer Pyramide oder Bergspitze angeordneten hölzernen Wäscheklammern oder die 147 Nagellöcher als Erinnerung an eine Barfusswanderung auf Gras stehen für Silhouetten von vermeintlichen Bergen, für Umrisse einer Landschaft, das Erklimmen eines Gipfels, das kraftzehrende und kraftspendende Aushalten in Einsamkeit und Stille der Natur. Die Zahl der verwendeten Elemente steht immer im Zusammenhang mit den Tagen der Reise. Im Vergleich mit Richard Long und seiner monumentalen, geradezu heroischen Land-Art etwa bleibt die Botschaft von Hamish Fulton vielschichtig und behutsam. Mit der stilisierten und absolut symmetrischen Silhouette eines Rieseninsektes aus roten und schwarzen Stoffbändern in der Galerie-Halle zeigt Fulton eine weitere neue Form seines Erinnerns.Alan Charlton schloss schon früh in seiner Künstlerlaufbahn alles das aus, was er bestimmt nicht wollte. Wie eine Erleuchtung war für ihn die Entdeckung der grauen Industriefarbe, die er seitdem in Abstufungen von hell bis nachtdunkel variiert und makellos und monochrom auf die vom Quadrat ausgehenden mit Leinwand überzogenen Holztafeln aufträgt. Im Gegensatz zu Fulton meinte er in Glarus, dass Worte ihm nichts bedeuten. Erst wenn er «am Ende» seiner grauen Bilder sei, könne er sich eine textliche Auseinandersetzung vorstellen. Charlton hat jetzt in der Ausstellungshalle vis à vis mit neuen Massen und Abständen eine wandfüllende Arbeit aus 25 vertikal angeordneten Balken in fünf mal fünf verschiedenen Grautönen installiert («each canvas 234 cm x 39 cm, with 39 cm space between, total 234 cm x 1911 cm).


Bis 
17.12.1999
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Alan Charlton, Hamish Fulton 16.10.199918.12.1999 Ausstellung
Künstler/innen
Alan Charlton
Hamish Fulton
Autor/innen
Gisela Kuoni

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