Situations construites: 10 Jahre Attitudes

Silvia Buonvicini · The last dream of Brenda Bolasz, 2004, Foto: Steeve Iuncke

Silvia Buonvicini · The last dream of Brenda Bolasz, 2004, Foto: Steeve Iuncke

Besprechung

Attitudes feiert. Hinter Attitudes stehen Jean-Paul Felley und Olivier Kaeser, die in den letzten zehn Jahren massgeblich mitgeholfen haben, die zeitgenössische Kunstszene in Genf zu dynamisieren und denen es gelungen ist, ihre unabhängige Institution auch in der deutschsprachigen Schweiz und im Ausland bekannt zu machen.

Situations construites: 10 Jahre Attitudes

Die ersten zwei Ausstellungen, die 1994 bei Attitudes - damals noch am Chemin de la Bessonnette in Chêne-Bougeries - stattgefunden haben, waren Eric Hattan und Fabrice Gygi gewidmet. Diese zwei Künstler gehören zu den zehn Auserwählten, welche die Räumlichkeiten an der Rue Beulet zum Jubiläum in eine Miniaturausgabe von Art Unlimited verwandelt haben. Dank einem grosszügigen Sponsor wurden sämtliche Arbeiten speziell für diese Show produziert, zudem konnte durch den Einbau eines Mezzanins mit vier Kojen mehr Platz gewonnen werden. Angelockt wird der Besucher durch die beschrifteten Fahnen von Christian Robert-Tissot an der Fassade des ehemaligen Fabrikgebäudes: «NO STYLE»; «NO COLOR», «NO PICTURE», «NO CONCEPT», «NO COMMENT» und trotzdem steht man bald in der Eingangshalle unter den kreuz und quer unter den Plafond gespannten, mit Neon beleuchteten «Bilderrahmen» von Vincent Lamouroux. Wie ein fein versponnenes, doppelfädiges Spinnennetz überziehen die Zeichnungen von Constantin Luser die weissen Wände des ersten Raumes. Sie verdichten sich zu bizarren Stadtlandschaften, Figuren, Gegenständen und Sprachfetzen oder enden in winzigen, herausragenden Drahtplastiken. Unter dem Dach hat Pierre-Philippe Freymond eine Tauben-Beobachtungsstation eingerichtet. In der Koje daneben liegt ein massiver Gitterrost von Fabrice Gygi, Doppelbett oder Folterinstrument? Silvia Buonvicinis «Baumhütte», durch die der Geist William Blakes weht, ist rundum mit weichem Teppichboden ausgelegt, wogegen man bei Bob Gramsma in eine aus Metallblättern konstruierte Trommel steigt, halb Raumstation, halb Bildwalze mit einem nicht ungefährlichen Ausstieg in Form einer verschliessbaren Blende. Durch einen Eingriff von Kristina Solomoukha wurde auch das Büro hinter der Bar in die Ausstellung miteinbezogen. In der von Alexia Turlin gestalteten Wohnlandschaft kann man sich bequem ein Video ansehen ? während der ganzen Ausstellungsdauer steht täglich ein neuer Film auf dem Programm. Diskussionen am runden Tisch, Vorträge und Performances gehören wie gewohnt zum Arbeitskonzept von Attitudes - auch ein literarisch-kulinarischer Abend (mit Samuel Herzog und Sarah Tibuni) darf nicht fehlen. Und Eric Hattan? Nur wer neugierig ist, findet seine Arbeiten. Sie sind hinter den Spionen versteckt, die unauffällig an zwei Türen und einer Wand angebracht wurden.

Bis 
17.12.2004

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