Editorial

Berlinde De Bruyckere · Aanéén-Genaaid, 2002, Decken, Wachs, Polyester, Holz, Gori Collection - Fattoria di Celle, Pistoia, Foto: Jan Pauwels

Berlinde De Bruyckere · Aanéén-Genaaid, 2002, Decken, Wachs, Polyester, Holz, Gori Collection - Fattoria di Celle, Pistoia, Foto: Jan Pauwels

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«Aanéén-Genaaid» - der Name unserer Titelfigur tönt mysteriöser als er ist. Die belgische Künstlerin Berlinde de Bruyckere hat damit eine Werkserie sowie 2001 eine Ausstellung im MuHKA in Antwerpen bezeichnet. «Aanéén-Genaaid» bedeutet «zusammengenäht» und die damit bezeichneten Werke bestehen meist aus Figuren, die mit einer Decke verhüllt sind oder in diese eingenäht scheinen. Zwischen Schutzhülle und Zwangsjacke lösen diese merkwürdig aschfarbenen Decken die unterschiedlichsten Assoziationen aus. Wie ist die widernatürliche Verkrümmung der «zusammengenähten» Gestalt auf unserer Titelseite zu deuten? Schämt sich die kauernde Figur mit den verkrampften Beinen ihrer käsigbleichen Nacktheit? Wagt sie es nicht, sich auf dem altersdunklen Hocker zu erheben und zu exponieren? Oder kann sie es nicht? Geborgenheit und Angst, Wärme und Verletzlichkeit, Schönheit und Schrecken liegen hier nahe beieinander.
Wir haben fürs aktuelle Heft ein Bild gewählt, das von psychischen Nöten und Verkümmerungen spricht - mehr als von physischen Versehrungen. Wir wünschen Ihnen damit auf Ende Jahr einige besinnliche Rückzugsmomente und gleichzeitig Zivilcourage, um sich mit gebündelter Energie einzuklinken, wenn Taten gefragt sind.
Dass KünstlerInnen auch ganz warmblütige Töne anschlagen können, wird beim Durchblättern der beiliegenden «Swiss Art Awards» deutlich, der kaleidoskopischen Jahrespublikation des Bundesamtes für Kultur. Der Katalog stellt unter anderem die PreisträgerInnen vor. Der Bogen reicht von Judith Alberts sinnlichem Video eines sonnenbeschienenen Rückenaktes bis Zimouns «Entsorgungsstelle für politische Reden» - eine inspirierende Lektüre zum Jahresausklang und gleichzeitig eine Einstimmung auf das Kunstgeschehen, über das wir Ihnen auch 2007 gerne berichten werden. Claudia Jolles

Lorsque la pensée «s´étroitise» et s´appauvrit, elle s´inquiète et s´appuye sur des bêquilles juridiques. Qui servent mieux les intérêts financiers que les individus qu´elles semblent protéger. C´est vers cet horizon que dérive l´actuel travail fédéral de révision du droit d´auteur. Certes, tous les créateurs veulent que leurs créations leur soient reconnues. Mais rendre illégale toute pratique de «copie», c´est méconnaître (et condamner) de très nombreuses démarches artistiques contemporaines. De Flaubert à Andy Warhol, celles-ci ont des antécédents «sérieux» et reconnus. Le «sample», le mix, la copie, la reprise, le «after», sont des pratiques inhérentes à tant de travaux artistiques contemporains qu´il paraît insensé d´en limiter les usages. Et, par voie de conséquence, de baliser, de canaliser la liberté artistique. Au profit de quels bénéficiaires? L´industrie et le commerce, évidemment. Pour en savoir plus et ne pas laisser les choses se faire sans agir: www.kunstfreiheit.ch. Françoise Ninghetto

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