«Aggression» in der Kunsthalle Winterthur

Ausstellungsansicht: Tom Ellis · Abuse Machine, 2006 (links), Marc Bijl ·
Dark Romanticism, 2004/07 (Mitte), Stefan Burger · Ohne Titel (rechts),
© Kunsthalle Winterthur

Ausstellungsansicht: Tom Ellis · Abuse Machine, 2006 (links), Marc Bijl ·
Dark Romanticism, 2004/07 (Mitte), Stefan Burger · Ohne Titel (rechts),
© Kunsthalle Winterthur

Besprechung

Mit Ausstellung, Begleitprogramm und Publikation wagen sich Oliver Kielmayer, Leiter der Kunsthalle, und Dimitrina Sevova, Co-Kuratorin, an ein tabuisiertes und doch allgegenwärtiges Thema.

«Aggression» in der Kunsthalle Winterthur

Der Ausstellungsflyer ist mit Pressemeldungen über Aggression gespickt: Raub, Mord, sexuelle Ausbeutung und mehr. Das gesteigerte Sicherheitsdenken unserer Gesellschaft dürfe jedoch ein Reflex auf eine schwerer fassbare, weil systemimmanente Aggressivität sein. So bedrängen den heutigen Menschen neben dem beruflichen Leistungsdruck eine omnipräsente Werbung und eine nicht zu bewältigende Informationsflut. Die angestaute Spannung ist dann nicht selten Ursache aggressiver Verhaltensmuster. Die Ausstellung mit elf künstlerischen Beiträgen in Form von Video, Installation und Performance knüpft an diesen Punkt an.
Die Worte «Fuck off» auf Tom Ellis' «Abuse Machine», 2006, geben den Auftakt. Für Hardcore sorgt «Joep van Liefland's Video Palace», 2007. Auf dem Programm steht «International Male Culture», womit schmuddelige Splatter-/Porno-Movies auf VHS gemeint sind, die der Künstler gesammelt und als Inspirationsquelle für Eigenproduktionen, «Broccoli Hardcore», 2003, verwendet hat. Im nächsten Raum flimmern auf fünf Grossleinwänden Videos von SIS.TM, Laura Parnes, Alejandro Vidal, Alex McQuilkin und Brice Dellsperger um die Wette. «Flickering Subjects V», 2007, von SIS.TM zeigt eine reale Zweikampflektion; der Streifen stammt von einem englischen Internetforum für Hooligans. McQuilkin lässt in «Teenage Daydream: It's only Rock & Roll», 2002, in Reminiszenz an YouTube eine Pubertierende mit Pistole, Perücke und blutverschmierten Unterarmen lasziv vor der Kamera tanzen, und Dellsperger führt in «Body Double 21», 2005, als Steigerungsform den resignativen Suizid vor Augen. Vidal überblendet in seinem Video Zweikampf, Folter und Rockmusik und verweist damit auf den ewigen Konflikt zwischen jugendlicher Rebellion und Establishment. Dass Gesellschaftskritik kein neues Phänomen ist, belegt Marc Bijls Wand füllendes Graffiti «Dark Romanticism», 2004/07, mit einem Zitat aus Hermann Hesses «Steppenwolf». Mit der Verkettung von Anpassungsdruck, Frustration und Mobbing am Arbeitsplatz befasst sich Parnes in «Janie at Work», 2004/05, während Stefan Burger in «Ohne Titel», 2007, eigene Zeichnungen in eine Druckerpresse einspannt und damit Stress simpel veranschaulicht.

Bis 
01.12.2007

Begleitveranstaltungen jeweils am Samstag, 16 Uhr.
Eine Publikation in der edition fink erscheint Anfang Dezember.

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