Frances Stark in der FRAC Bourgogne

Frances Stark · The Fall of Frances Stark, 2007, Einladungskarte

Frances Stark · The Fall of Frances Stark, 2007, Einladungskarte

Hinweis

Frances Stark in der FRAC Bourgogne

«Ein langes, verworrenes Getöse, wie von tausend Wasserstürzen - und der tiefe, dunkle Teich zu meinen Füssen schloss sich finster und schweigend über den Trümmern...», so könnte «The Fall of Frances Stark» enden - wie Edgar Allan Poes «Fall des Hauses Usher». In Dijon geht es weniger dramatisch zu - wenn auch nicht weniger literarisch. Die 40-jährige Kalifornierin entwickelt parallel zu ihrem bildenden auch ein schriftstellerisches Werk. Eine Praxis, die speziell in dieser Generation häufig zu finden ist und vor einiger Zeit mit «Metronome Press» in Paris auch einen eigenen Verlag gefunden hat. Stark wird dort noch nicht verlegt, nahm aber das Erscheinen eines Retrospektive-Kataloges zum Anlass, eine Einzelausstellung zu konzipieren, die ihre Malerei, Zeichnungen, Collagen, Objekte in ihrer Resonanz mit ihrer Arbeit an und mit der Schrift zeigt. Die Künstlerin referiert auf französische Positionen, wie beispielsweise jene von Daniel Buren, der das Kunstwerk nach Verlassen des Ateliers einem «unsäglichen Kompromiss» ausgesetzt sieht. Stark greift die These des befleckten ?uvres auf, dehnt sie aus, wendet sie neu: Der Kompromiss zwischen singulärem Werk und kollektivem Zugriff führt, so gibt sie zu verstehen, erst zu jener produktiven Neu-Kontextualisierung, die Kunstwerke zu kommunikativen und mithin sozialen Objekten macht. Durch Verweben von Zitaten, persönlichen Texten und reflexiven Statements lässt sie einen Schrift-Bild-Raum entstehen, in dem Bedeutungen und Kontexte in einem andauernden «shifting» zu gleiten beginnen. So wird auch begreiflich, dass und in welchem Umfang Schrift von Bildlichkeit beherrscht ist. Das ist nicht das Bild aus Schrift wie bei Apollinaire oder dAdA, auch nicht die Illustration der Schrift: Es ist eine der Schrift inhärente Neigung zum Bild, die unsere Monokultur des eindeutigen Schriftsinns vergessen hat.

Bis 
11.01.2008

Mit Publikation.

Autor/innen
J. Emil Sennewald
Künstler/innen
Frances Stark

Werbung