Jeppe Hein und Chloe Piene im Carré d'Art

Jeppe Hein · Spiral Labyrinth I, 2006, Plaque de miroir poli, dibond, cadre metal/High polished mirror plate, aludibond, metal frame, 200 x 512 x 428 cm, Courtesy Johann König, Berlin

Jeppe Hein · Spiral Labyrinth I, 2006, Plaque de miroir poli, dibond, cadre metal/High polished mirror plate, aludibond, metal frame, 200 x 512 x 428 cm, Courtesy Johann König, Berlin

Hinweis

Jeppe Hein und Chloe Piene im Carré d'Art

«Stille Wasser sind tief/Das Fenster will Eis - ist/Still wie das Finstre. Es/Ist sein Fest. Wilder als/Tief sind stille Wasser.» Unica Zürn schenkte dieses Anagramm 1957 Hans Bellmer. Mit dem Künstler der verrenkten Puppen verband sie eine so lust- wie schmerzvolle Liebe. Chloe Pienes Arbeit zeigt, wie man schon anlässlich ihrer Einzelausstellung in der Kunsthalle Bern 2004 bemerkt hat, Ähnlichkeiten mit Hans Bellmers Werk. Vielleicht sollte man die Zeichnungen der 35-jährigen Amerikanerin, die in New York und Berlin lebt, auch auf Zürn beziehen. Geht es ihr doch um intensive Erfahrung im Akt des Zeichnens - «the drawing is a live experience» schreibt sie auf ihrer Webseite. In Videos wie «Blackmouth», 2004, geht es zudem um die Transformationen des Körpers durch dessen Aufzeichnung. Piene bearbeitet, wie in «Rutter 04», 2006, oder «Scale», 2007, die Zeichnung in ihrer Verbindung mit einem tiefen, stillen, wilden Ich. «Ich vergesse alles, wenn ich zeichne. Die Zeichnung absorbiert mich völlig. Das ist, wie wenn ich tanze. Oder wenn ich einen Orgasmus habe. Ich werde praktisch blind.» Wenn das Sehen endet, beginnt das Glauben. Wie sehr das Sichtbare aus dem Unsichtbaren spriesst, ist auch Thema von Jeppe Hein. Der 33-jährige Däne, der in Kopenhagen und Berlin lebt, bearbeitet die Dreiecksbeziehung Künstler - Kunstwerk - Betrachter. Dabei zieht er nicht nur die Linien, in der sich die Mitspieler dieser Begegnung verfangen. Er sucht, mit Installationen wie «Spiral Labyrinth I», 2006, oder «Rotating Pyramid», 2007, die Erfahrung eines Kunstwerkes als Ergebnis von Konstellationen im Raum, von sozialen, architektonischen, interaktiven Konfigurationen verstehbar zu machen. Im Kontrast zu Pienes Expressivität steht Heins nüchterne, fast technische Ironie. Seine Spiegel-Bilder - «Objects in the mirror are closer than they appear», 2007 - verweisen auf das Selbst und dessen Illusionen, die es dem Sichtbaren verdankt. Wenn Hein die Besucher des Carré d'Art in ein Spiegel-Labyrinth führt oder Piene sie auf die Spuren ihrer dunklen Zeichenstriche zieht, wird deutlich, wie wenig am Kunstwerk von dem sichtbar ist, was uns bewegt. Still sind tiefe Wasser.

Bis 
19.01.2008

Es erscheint je ein Katalog f/e.

Künstler/innen
Jeppe Hein
Chloë Piene
Autor/innen
J. Emil Sennewald

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