Editorial

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«Bürostuhl»? Tatsächlich, der St.Galler Künstler Roman Signer sitzt bei seiner haarsträubenden Aktion auf einem Drehstuhl, daher der lapidare Name des Werks auf unserer Titelseite. Ganz ähnlich hatte er einmal auf einem Küchenschemel versucht mit seinem Körpergewicht gegen vier gleichzeitig an den Stuhlbeinen gezündete Raketen anzustemmen. Hier, auf dem Bürostuhl, kommt die Drehbewegung dazu. Dieser könnte über die seitlichen Düsen wie ein Propeller ins Wirbeln kommen und den Sprengmeister ins Gebüsch schleudern. Signers Aktionen sind immer ein Set von Möglichkeiten. Man sieht etwas und überlegt, was weiter passieren könnte. Bruce Nauman hatte einmal seine eigenen frühen Performances als Tätigkeit in einem Feld des kontrollierten Risikos bezeichnet. Ähnliches gilt für Signer. Und doch fragt man sich: Hat er die Kräfte gut bemessen, reichen die Handschuhe und Brille als Schutz gegen die funkenschlagenden Feuerstösse? Entscheidender als Spektakel und Risiko sind die spielerischen Vorgänge, die durch die Aktionen ausgelöst werden und mit denen er uns und sich selbst immer wieder überrascht. Wenn sich Signer in einem Kanu auf einem Feldweg entlangziehen lässt und plötzlich eine Kuhherde beginnt, nebenherzutrotten, so war dies sicher nicht geplant. Trotzdem entlockt uns die Szene vor dem im Helmhaus Zürich gezeigten Film unweigerlich ein Schmunzeln. Sich etwas vornehmen, die Vorgabe mutig umsetzen und dann beobachten, was passiert - eine wunderbare Metapher fürs Leben und eine gute Motivation zum Jahreswechsel. Damit danken wir unseren AbonnentInnen sowie InserentInnen, denn ohne sie kein Kunstbulletin und ohne Kunstbulletin wäre Signers wunderbare Ausstellung nebst zahlreichen weiteren Kunstereignissen vielleicht schall- und klanglos an Ihnen vorbeigegangen.

Autor/innen
Claudia Jolles

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