Melik Ohanian, «From the Voice to the Hand»

Melik Ohanian · 10 000 Letters, 2008, Buchstaben aus Gips, 16 x 8 x 3 cm, 10 Exemplare, Courtesy Melik Ohanian / Galerie Chantal Crousel

Melik Ohanian · 10 000 Letters, 2008, Buchstaben aus Gips, 16 x 8 x 3 cm, 10 Exemplare, Courtesy Melik Ohanian / Galerie Chantal Crousel

Hinweis

Melik Ohanian, «From the Voice to the Hand»

«Figuren sind nicht nur vorläufig; sie sind zugleich auch die vorläufige Gestalt eines Ewigen und Jederzeitlichen», schrieb vor 41 Jahren der Romanist Erich Auerbach. «Figur» nennt der 39-jährige Franzose Melik Ohanian, was er diesen Herbst über die ganze Île de France verteilt hat. Eine Meta-Exposition. Den hohen Anspruch traut man dem auf Biennalen von Moskau bis Venedig sowie in internationalen Galerien und Museen vertretenen Medienkünstler zu. Doch was ist zu sehen an den fünfzehn Ausstellungsorten, in Le Plateau, einem öffentlichen Schwimmbad, dem Centre Pompidou oder dem Kunstzentrum Abbaye de Maubuisson im Val d'Oise? Die gros­se Bahnhofsuhr mit opakem Glas am Schluss der Ausstellung im Plateau verkörpert es: eine Zeit-Reise. Eine historische Begegnung, wie sie der Film «September 11, 1973 Santiago Chile», 2007, symbolisiert. Die Koinzidenz der Daten von chilenischem Staatsstreich und der Anschläge auf das World Trade Center figuriert als ewige Wiederkehr desselben. Ohanian setzt mit seiner Ausstellungsgeografie auf die Magie von Orten und reduzierte Form. Bisweilen enigmatisch: Die Mediatoren im Plateau hatten viel zu tun, um die entlang einer Neonröhren-Spur aufgehäuften Buchstaben aus Gips als dekomponierte Philosophenzitate zur Kunst verstehbar zu machen. Die aufwändige Website mit «Echtzeit»-Informationen zum Geschehen bietet die Zitate in ihrer Urgestalt an, auf «France Culture» wurden sie ausgestrahlt. «Vielheit», sagt dort Toni Negri, «ist ein Ensemble von Singularitäten». Sind die konzeptuell dichten Arbeiten bisweilen zu mager, um erfahrbar zu machen, wovon sie sprechen, bleibt beeindruckend, was Ohanian da aus dem simplen Fakt sich häufender Ausstellungsanfragen gemacht hat.

Künstler/innen
Melik Ohanian
Autor/innen
J. Emil Sennewald

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