Silvie Defraoui

Silvie Defraoui · Vue générale de l'exposition.Foto: Georg Rehsteiner

Silvie Defraoui · Vue générale de l'exposition.Foto: Georg Rehsteiner

Silvie Defraoui · Faits et gestes, 2009 (détail). Foto: Georg Rehsteiner

Silvie Defraoui · Faits et gestes, 2009 (détail). Foto: Georg Rehsteiner

Hinweis

Silvie Defraoui

Banale Zeitungsbilder, mit Blumen geschmückt. So empfängt uns das Obergeschoss des Schweizer Kulturzentrums in Paris: Die Bilder blicken uns an, durch runde Löcher, die aus ihnen mehr machen als einen Abdruck der Oberfläche unserer Wirklichkeit. Sie werden Masken, durch die eine Welt zurückschaut, von der wir künftig nur die Augen sehen. «Wenn ich Bewusstsein von Gesehenem habe und mich erinnern kann, dann ist das ein Bild», definiert Silvie Defraoui ihren Gegenstand - sie bearbeitet seit 1975 mit ihren stetig wachsenden «Archives du futur» das Gesicht und die Erinnerung der Bilder. Jetzt werden ihre jüngsten Werke mit der ersten Soloshow in Frankreich seit 15 Jahren dem Pariser Publikum präsentiert. Mit Fotografie, Video, Installation geht es ihr nicht nur um das Objekt Bild selbst, sondern darum, wie es seinen Betrachter positioniert. Im gros­sen Saal des CCSP hat sie den Boden um 40 cm erhöht, ein Podest in Form eines orientalischen Gartens. Mit einem Schritt gelangen wir in imaginäre Landschaften und der Raum um uns sieht uns auf andere Weise an. «Der Körper ist der Massstab, von dem aus sich die Dinge ordnen - und die Bilder», erklärt die 74-jährige Künstlerin. In dem Video, das sie gerade im Toulouser Goethe-Institut während des Printemps de Septembre zeigte, zerschmeisst eine Hand Gläser, im CCSP projiziert sie Bilder auf Scherben - eine zeitgenössische Allegorie: «Die heutige Welt ist ein Fragment dessen, was einst war.» Mit ihrer Arbeit an den Arabesken der Wirklichkeit, die sie bis zu dessen Tod 1994 mit Chérif Defraoui unternahm, hat die in St. Gallen geborene Künstlerin seit Ende der Siebzigerjahre grossen Einfluss auf die Westschweizer Kunst ausgeübt. 2004/05 wurden ihr Retrospektiven im Kunstmuseum St. Gallen und im Mamco gewidmet. Sie selbst sieht das bescheiden: «Ich habe noch Super-8 gemacht, als die anderen schon bei Video angekommen waren.» Was für sie weniger wichtig sei, ist das Medium selbst. Sie interessiere sich für die Bilder, die es trägt, und für die Sprache, «die sich wie ein Gitter vor Bilder und Realität legt». Ganz konkret setzt Defraoui das um, wenn sie über ein Videobild mit Goldfischen bildschirmhoch Buchstaben laufen lässt. Langsam, sodass sich dem aufmerksamen Betrachter nur nach und nach ein Wort, ein Sinn formt. Sie suche, sagt sie, «eine Art Vorempfindung des Kommenden in den Dingen». Und findet, immer wieder neu, deren Imaginationen. In ihrer Sammlung spanischer Betonfliesen, die sie im Projektraum des CCSP versammelt hat, werden die arabesken Motive durch präzis gesetzte Punkte lesbar als Gesichter - oder Masken.

Bis 
12.12.2009

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