Nancy Spero

Nancy Spero · Female Bomb, 1966
© ProLitteris

Nancy Spero · Female Bomb, 1966
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Nandy Spero · Male Bomb, 1967
© ProLitteris

Nandy Spero · Male Bomb, 1967
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Hinweis

Nancy Spero

Massen schieben sich vor den Bildern Basquiats durchs Musée d'Art Moderne de la ville de Paris. Nicht so in der Retrospektive von Nancy Spero im Centre Pompidou, obwohl diese zeigt, was Basquiat erst möglich machte. Es gibt eine gewisse Ähnlichkeit mit seinen wilden Fratzen: das Obsessionelle, der Rapport, die Schriften und Hieroglyphen sowie auch der politische Impetus. Und doch macht Spero, die 1966 die Leinwand als «zu maskulin» zugunsten der Grafik aufgab, alles anders. Was beim einen sich im Gravitationsfeld der Pop-Art um black culture und Künstleridentität dreht, ist bei Spero das Geschlecht, das nicht eins ist. Identifikation des Weiblichen qua Nicht-Identität beschrieb Luce Irigaray 1977 als abendländischen Komplex, der immer auf eine Objektivierung des Weiblichen hinausläuft. Dagegen entwarf sie eine subjektive Sprache der Lust, der Verflüssigung von Zuschreibungen.
Nancy Speros Arbeiten bringen klare symbolische Formen zum Fliessen. Ihre mit Stempeldruck, Fotokopie und Übermalung in Farbverläufen platzierten Schrift- oder piktografischen Figuren führen einen Prozess von Erkennen und Wiedererkennen vor. "Woman Breathing", 1978, sind zwei Drucke auf gefaltetem Papier, dessen zweiter so verwischt ist, dass die Schrift, von der Seite betrachtet, sich zu «Woman a thing» zusammenzieht. Formal Ed Ruschas Arbeit ähnlich, verschiebt Spero hier die Kritik in die Sehbewegung des Betrachters. Sie bereitete damit jüngeren Kolleginnen wie Barbara Kruger und Jenny Holzer das Feld.
Prozessuales, metamorphotisches Arbeiten ist Grundzug von Speros Vorgehen. Äyptische Gottheit, vielköpfige Schlange, Engel, Gogo-Girl oder frech hergezeigte Vagina tauchen in langen Fresken aus bunten Bögen wie "La Folie", 2001, oder "The Hours of the Night II", 2001, bis zu ihrem Tod 2009 auf. Genau wie die Schrift, die sie immer wieder neu verformt, in ihrer Bildlichkeit inszeniert.
Sicher, die Wut von "Les anges, Merde, Fuck you", 1960, noch ganz inspiriert von Antonin Artaud und dessen Theater der Schrecken, oder die Explosivkraft von "Female Bomb" von 1966 haben sich gelegt. Die Analyse ist verfeinert, die Kritik formalisiert - die theatralische, körperliche Intensität der Bilder bleibt erhalten. Das macht Speros Werk bis heute unverzichtbar für eine Kunst, die mit energischen Gesten den Blick verschiebt.

Bis 
09.01.2011
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ortabsteigend sortieren Land
Nancy Spero 13.10.201010.01.2011 Ausstellung Paris
Frankreich
FR
Autor/innen
J. Emil Sennewald
Künstler/innen
Nancy Spero

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