Rectangle and Square

Florian Slotawa · Berner Sockel, 2010, 4-teilig, mixed Media, Hermann und Margrit Rupf-Stiftung, Kunstmuseum Bern © ProLitteris

Florian Slotawa · Berner Sockel, 2010, 4-teilig, mixed Media, Hermann und Margrit Rupf-Stiftung, Kunstmuseum Bern © ProLitteris

Besprechung

Mit einer Serie grossformatiger Tiefdrucke von James Turrell beginnt die Ausstellung ‹Rectangle and Square› im Kunstmuseum. Die prominente Platzierung von ‹First Light›, 1989/90, ist gleichsam Statement und programmatischer Einstieg in die Sammlungspräsentation der Hermann und Margrit Rupf-Stiftung.

Rectangle and Square

Das Sprichwort «zu viele Köche verderben den Brei» könnte als Mahnung jede Sammlungsstrategie begleiten. Sind die Gründer einmal verstorben, übernehmen über die Jahre immer wieder wechselnde Stiftungsgremienmitglieder mit unterschiedlichen Interessen und Zielen die Ankaufstätigkeit. Aus der ursprünglich einheitlichen Sammlung der Stifter wird - nicht zuletzt mangels finanzieller Möglichkeiten, weiterhin Werke der klassischen Moderne, der Zeitgenossen von Hermann und Margrit Rupf zu sammeln - eine zunehmend heterogene. Dennoch besteht die getätigte Erweiterung aus hervorragenden Werken wie ‹Das Papier›, 1970, einer gemeinsamen Arbeit von Balthasar Burkhard und Markus Raetz: Eine monumentale Fotografie, die durch ihre Körnigkeit das abgebildete gefaltete Papier als etwas ebenso Taktiles wie Filigranes zeigt. Oder die Installation Ilya Kabakovs, ‹Medusa's Raft›, 1998, bestehend aus einem spärlich beleuchteten Krankenbettzimmer mit einem Schaukasten, aus dem eine Stimme die Geschichte der Tragödie repetiert.
Soviel zur schwierigen Ausgangslage, mit der die Kuratorin der Rupf-Stiftung Susanne Friedli zu kämpfen hat. Die Ausstellung der fast sechzigjährigen Stiftung stellt nicht primär die Auswahl des Sammlerpaars vor - vielmehr wird die angekaufte Kunst der Nachlassverwalter gezeigt, und die Präsentation kann bezüglich Sorgfalt der Selektion, Platzierung und Hängung als kuratorisches Paradestück bezeichnet werden. Nicht der Bekanntheitsgrad des Künstlers, sondern werkimmanente Platzbedürfnisse bestimmen die zur Verfügung gestellte Ausstellungsfläche. So erhält beispielsweise nicht Donald Judd, sondern Vaclav Pozarek für seine ironische Arbeit mit Holzkisten einen eigenen Raum. Nicht auf traditionellen chronologischen, sondern konsequent verfolgten, formal-ästhetischen Aspekten basiert die Werkanordnung, was zu ungewöhnlichen, aber erfrischenden Gegenüberstellungen führt. So finden in dem Raum die gestischen Zeichnungen von Robert Müller, André Masson und Franz Fedier zusammen, wo sich bereits ‹Die Honigpumpe›, 1984, von Beuys befindet mit der dazu gehörigen Fotoserie - vis-à-vis derjenigen Florian Slotawas: Augenblicklich entwickelt sich zwischen den durch achtzig Jahre getrennten Werken ein vielschichtiges Bezugssystem. Vielleicht das beste Beispiel, wie lustvoll zeitgenössische Kunst die Tradition aufnehmen und neu verhandeln kann, bieten die ‹Berner Sockel›, 1990. Ehemalige Möbel der Rupfs wurden von Slotawa zu Sockeln umfunktioniert, mit deren Hilfe sich die Skulpturen der Sammlung neu inszenieren lassen.

Bis 
07.01.2012

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