Topographies de la guerre

An-My Lê · Mechanized Assault, 2003-2004, aus der Reihe 29 Palms

An-My Lê · Mechanized Assault, 2003-2004, aus der Reihe 29 Palms

Hinweis

Topographies de la guerre

Le Bal hat 2010 als neues Pariser Zentrum für das dokumentarische Bild eröffnet. Gegründet von Fotograf Raymond Depardon, will es durchs Bild «schlicht und einfach die Welt aussagen», so Direktorin Diane Dufour. Doch wie sagt man «Krieg» im Bild, ohne ihm das Wort zu reden? Jean-Yves Jouannais, Kunstkritiker und Kriegs-Kenner hat keine Antwort, er hält sich ans Wort, betrachtet, wie Krieg von sich reden macht. In Bildern. Um das so zu tun, dass es nicht ohrenbetäubend wird, zeigt er nicht direkt den Bombenhagel. Von zehn Künstlern hat er Arbeiten zusammengestellt, die nach 2000 entstanden sind. Paola De Pietris Berglandschaften, ‹To Face›, 2010, lassen auf den zweiten Blick verwaiste Stellungen aus dem Ersten Weltkrieg erkennen. An-My Lê dokumentiert ‹29 Palms›, 2003/04, ein kalifornisches Vorbereitungslager der US-Armee für Afghanistan und dank Hollywood-Unterstützung täuschend real. Eyal Weizmans Beitrag, mit Luc Delahaye erarbeitet, bleibt visuell weit hinter dessen lesenswerten Schriften zur Kriegsführung Israels zurück. Die fliessende Grenze zwischen imaginiertem und wirklichem Krieg behandelt Harun Farocki mit ‹Serious Games 4: A Sun with No Shadow›, 2010. Zwischen all den Bildern wird klar: Für eine präzise Topografie der Kriege muss man den Blick knapp an ihnen vorbei richten.

Bis 
17.12.2011

Werbung