‹Making Space› - Video, raumauslotend und raumschaffend

Nam June Paik · Global Groove, 1973, Standbild, Musée cantonal des Beaux-Arts, Ankauf 2013, Courtesy Studio Nam June Paik and Electronic Arts Intermix, New York

Nam June Paik · Global Groove, 1973, Standbild, Musée cantonal des Beaux-Arts, Ankauf 2013, Courtesy Studio Nam June Paik and Electronic Arts Intermix, New York

Paul Chan · 1st Light, 2005, Installationsansicht, Courtesy Greene Naftali, New York. Foto: Jean Vong

Paul Chan · 1st Light, 2005, Installationsansicht, Courtesy Greene Naftali, New York. Foto: Jean Vong

Besprechung

Die Fenster sind verhüllt, die Lichter gelöscht. Das Musée cantonal des Beaux-Arts lässt im Moment in seinen Räumen nicht weniger als vierzig Gipfel der Videokunst glühen: Eine wunderbare Zäsur zwischen der bemerkenswerten Vergangenheit und der aussichtsreichen Zukunft des Mediums in diesem Haus.

‹Making Space› - Video, raumauslotend und raumschaffend

Der Untertitel der Schau ‹40 ans d'art vidéo› verweist nicht auf den Geburtstag des Mediums, sondern auf dessen Präsenz in der Sammlung des MCBA. Im Gegensatz zu der 2004 gezeigten Schau ‹Interactions fictives›, die bereits von der heutigen Konservatorin, Nicole Schweizer, kuratiert worden ist, liefert die besondere Interaktion zwischen dem Museum und der Videokunst diesmal nur den Ausgangspunkt einer Befragung der Möglichkeiten, die das Medium den Kunstschaffenden ab den frühen sechziger Jahren in die Hand gespielt hat. So war 1973 nicht nur das Jahr, in dem René Berger, der damalige Direktor des MCBA, das erste Band ankaufte, nämlich ‹Limite E› von Otth, und die Perspektive des Mediums im Rahmen seines Lehrauftrages theoretisch untermauerte. 1973 war auch das Jahr, in dem mit Nam June Paiks ‹Global Groove› und Richard Serras ‹Television Delivers People› so bestürzende Arbeiten entstanden, dass sich das Medium quasi von selbst etablieren konnte.
Einen Gang nach Lausanne lohnt nun schon alleine die Tatsache, dass in der Schau nicht nur Werke der sich alsbald um Otth formierenden Gruppe zu sehen sind, sondern es Schweizer gelungen ist, nebst diesen beiden Bändern auch weitere Meilensteine internationaler Videokunst ins MCBA zu holen - das Paik-Video sogar als Ankauf. Aus heutiger Sicht frappiert dabei die grosse Nähe vieler früher Arbeiten zum Fernsehen, sei es in Form einer kritischen Auseinandersetzung, sei es in Form eines utopischen Entwurfs, dessen Kanäle als künstlerische Plattform zu nutzen.
In das Zentrum des weiterführenden Panoramas hat die Kuratorin jedoch überzeugend das Thema des Auslotens und des Schaffens von Räumen durch die Videokunst gestellt - ein Aspekt, der gegenüber dem Narrativen und der Bewegung zweifellos bisher vernachlässigt worden ist. Dem Blick durch die Kamera bietet sich zuerst ein Raum dar, der je nach Eingriff und Bildmontage entweder eher in der Realität verhaftet bleibt wie etwa bei Mendieta, Alÿs, Sala und Sooja oder imaginäre Züge annimmt wie etwa bei Riste, Antille, Tykkä und Ahtila. Und nicht zuletzt wird ein Raum durcheinandergewirbelt, wenn darin ein Monitor oder eine Projektion läuft, am deutlichsten wohl bei Paul Chan. Die Schau, die damit auch privilegierte Kontakte mit grossen Videokunstschaffenden jüngerer Generationen verrät, stimmt enthusiastisch im Hinblick auf den wichtigen Platz, den das Medium im künftigen MCBA beim Bahnhof einnehmen soll - vorgesehene Eröffnung 2017.

Bis 
04.01.2014
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Making Space 18.10.201305.01.2014 Ausstellung Lausanne
Schweiz
CH

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