Bethan Huws - Re-Vision des Readymades

Bethan Huws · Aufnahme aus dem Atelier von Bethan Huws in Berlin mit den Research Notes zu ­Marcel Duchamp, 2014 ©ProLitteris. Foto: Franziska Rieder

Bethan Huws · Aufnahme aus dem Atelier von Bethan Huws in Berlin mit den Research Notes zu ­Marcel Duchamp, 2014 ©ProLitteris. Foto: Franziska Rieder

Besprechung

Tausende von Blättern, Dutzende von Ordnern: Mit der Atelier-Installation ‹Reading Duchamp, Research Notes 2007-2014› zeigt die Britin Bethan Huws im Kunstmuseum Bern erstmals umfassend ihre Recherche zu Marcel Duchamp. Überraschend: Duchamp und sein Werk im Status eines Readymades.

Bethan Huws - Re-Vision des Readymades

Bei Bethan Huws (*1961, Wales) ist der Bezug zur Sprache integraler Bestandteil ihres Werks, indem sie zuerst die walisische, also eine keltische Sprache lernte und damit mit dem Englischen zwei Sprachsysteme mit jeweils unterschiedlichen Wortklängen und Systematiken beherrscht; zudem lebte sie während langer Zeit in Paris, nun lebt sie in Berlin. Sie setzt sich so verschiedenen Kontexten und Konnotationen aus - ein Spiegel ihres reflexiv geprägten, fragilen, recherchierenden Werks. Nachdem sie schon in den Neunzigerjahren ihre Arbeit überprüfte, eine regelrechte Eigenlektüre vornahm und dabei in die Felder von Philosophie, Psychologie, Linguistik und Kunstgeschichte vorstiess, beschäftigt sie sich seit 2007 mit dem Werk von Marcel Duchamp, der als «Jahrhundertkünstler» gilt und ohne den manche aktuellen Tendenzen gar nicht denkbar wären. Bisweilen ist diese Wirkung indirekt, bei Bethan Huws ist sie direkt: Auf tausenden von Seiten untersucht sie Hauptkategorien und Hauptwerke von Duchamp. Sie zieht Linien, skizziert, exzerpiert, analysiert, assoziiert, fotokopiert. Sie fügt ein Denk- und Schaublatt an das andere. So ist der Werkkomplex ‹Reading Duchamp, Research ­Notes 2007-2014› entstanden, der nun erstmals im Kunstmuseum Bern zu sehen ist, eine Installation mit vielen Blattgruppen an den Wänden, mit Tischen voller Ordnern - eine Art Ateliersituation, in der man sich zuerst mal zurechtfinden muss. Denn die Fülle des Materials ist schier unerschöpflich.
Dabei verfolgt Huws eine künstlerische und nicht eine kunsthistorische Recherche. Dazu die Künstlerin: Sie wolle nicht am Wort kleben bleiben, sondern, wie Duchamp, dem Wortklang folgen, die Gefühle, den Geist, das Ding verstehen. Im Vordergrund steht die eigentliche Re-Vision, das Neu-Sehen, die Frage danach, was Kunst sei, woher Kunst komme, wozu sie führe. So werden Duchamp, sein Denken und sein Werk selbst zum Readymade und zur Re-Vision des Readymades, indem sie in neuen Kontexten erscheinen, und zwar überraschenden, die bis auf Cranach, Grünewald, Ingres oder Courbet verweisen. Dem Publikum, das von Huws durchaus gefordert wird, sei eine Aussage von Duchamp mitgegeben: «Alles in allem wird der kreative Akt nicht vom Künstler allein vollzogen; der Zuschauer bringt das Werk in Kontakt zur äusseren Welt, indem er dessen innere Qualifikationen entziffert und interpretiert und damit seinen Beitrag zum kreativen Akt beifügt.»

Bis 
31.01.2015
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Bethan Huws 24.10.201401.02.2015 Ausstellung Bern
Schweiz
CH
Künstler/innen
Bethan Huws
Autor/innen
Konrad Tobler

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