Die Dada La Dada She Dada

Baroness Elsa von Freytag-Loringhoven · New York 7. Dezember 1915, Courtesy Bettmann/CORBIS

Baroness Elsa von Freytag-Loringhoven · New York 7. Dezember 1915, Courtesy Bettmann/CORBIS

Besprechung

Dada, eine der wichtigsten und frechsten Kunstströmungen des 20. Jahrhunderts, feiert 2016 ihr 100-Jahr-Jubiläum. Die Dadaisten sind berühmt, viele Dada-Künstlerinnen hingegen in ­Vergessenheit geraten. Das Forum Schlossplatz zeigt eine Ausstellung, die sich ausdrücklich den Frauen im Dada widmet.

Die Dada La Dada She Dada

Sie waren frech, witzig und radikal: Die Dada-Akteure krempelten mit Lust und Verve die Kunstwelt um. Dabei spielten auch viele Frauen eine wichtige Rolle. Doch während Hugo Ball, Tristan Tzara, Richard Huelsenbeck und viele andere Künstler einen festen Platz in der Kunstgeschichte behaupten, sind die Namen vieler Künstlerinnen verblasst. Neben einer Kunstgeschichtsschreibung, die lange von männlicher Hand und aus männlicher Sicht betrieben wurde, sieht Kunsthistorikerin Ina Boesch als Ursache für dieses Vergessen der Dadaistinnen auch den Umstand, dass viele Künstlerinnen in ephemeren, damals noch schwer zu dokumentierenden Genres wie dem Tanz und der Performance aktiv waren. Die von Ina Boesch und Nadine Schneider kuratierte Schau lenkt nun den Blick auf fünf vergessene Künstlerinnen und verschwundene Kunstwerke. So erinnert sie an die New Yorker Dada-Ikone Elsa von Freytag-Loringhoven, die Objekte gestaltete und durch ihre Performances für Aufsehen sorgte. In Aarau ist von ihr ein Porträt von Marcel Duchamp zu sehen - gewitzt stellt die Baronesse den Erfinder des Readymades in einer Assemblage aus Fundstücken dar. Gern sähe man mehr. Doch oft muss sich die Schau mit Hinweisen aus Büchern und Zeitungen begnügen. Und wenn die Schau die Tänzerin Sophie Taeuber-Arp ins Blickfeld rückt, geschieht dies über den Umweg ins Zeitgenössische: Die Dokumentarfilmerin Anka Schmid hat eine Hommage an die Schweizer Dada-Künstlerin produziert, für die sie Tänze der Künstlerin nachempfindet.
Zu allen fünf porträtierten Künstlerinnen gibt es solche Video-Hommagen. Die Kuratorinnen haben fünf Schweizer Videokünstlerinnen eingeladen, sich mit deren Werken und Biografien zu beschäftigen. Ein intelligenter und interessanter Schachzug, der deutlich macht, wie wegweisend die Arbeiten der Dada-Künstlerinnen für heutige Kunstschaffende waren, zugleich aber auch die Lücke spürbar macht, die in der Dokumentation ihres Schaffens klafft. Sinnbildhaft für die gesamte Schau wirkt etwa Anne-Julie Raccoursiers Video, das in Auseinandersetzung mit der Dada-Autorin Céline Arnauld entstand, und einen verlassenen, von Pflanzen überwucherten Sportplatz zeigt, auf der Tonspur sind nicht jubelnde Fans noch dadaistische Sprachspielereien, sondern schier endlos zirpende Grillen eingefangen.

Bis 
17.01.2015
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Die Dada La Dada She Dada 25.10.201418.01.2015 Ausstellung Aarau
Schweiz
CH
Autor/innen
Alice Henkes

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