W. Zamecnik, M. Kollar

Woijciech Zamecznik · Die polnische Musik, 1963, Unveröffentliches Plakat, Courtesy ­Juliusz & Szymon Zamecznik/ Fundacja ­Archeologia Fotografii

Woijciech Zamecznik · Die polnische Musik, 1963, Unveröffentliches Plakat, Courtesy ­Juliusz & Szymon Zamecznik/ Fundacja ­Archeologia Fotografii

Martin Kollar · Provisional Arrangement, Serie, 2016

Martin Kollar · Provisional Arrangement, Serie, 2016

Hinweis

W. Zamecnik, M. Kollar

Das Musée de l'Elysée fokussiert diesen Herbst auf das Schaffen in Osteuropa. In den oberen Geschossen haben die Konservatorin Anne Lecoste und Karolina Puchala-Rojek von der Warschauer Stiftung Archeologia Fotografii eine Retrospektive der ‹Fotografie in allen ihren Spielarten› im Werk des polnischen Grafikers Wojciech Zamecznik (1923-1967) eingerichtet. Obschon er vor allem auf Reisen, die ihm das Set Design an internationalen Messen und Schauen erlaubten, Tausende von Aufnahmen schoss, war das Medium für ihn stets mehr Materie und Technik, um seine nüchternen, konstruktivistisch geprägten Arbeiten zu beleben. Doch während sich die zeitgleich hierzulande tätigen Konstruktivist/innen an der Perfektion des künstlerischen Resultats laben konnten, war dieses in Polen meist unabsehbar. Nicht selten entschied der Staat über Figuren, Farben und Typografie. Zamecznik machte dies schon früh wett, indem er zwischen die Buchstaben virtuos fotografische Elemente schob. Besonders faszinierend ist, wie er immer häufiger seine Kompositionen vor der Kamera nochmals in Wellen legte, verdrehte oder rasch vorüberzog. Mag das sich durch die ganze Ausstellung ziehende konstruktivistische Fries hinter seinen Schwarzweissaufnahmen am Anfang noch lustig sein, wirkt es angesichts dieser zu neuen Ufern aufbrechenden Meisterwerke nur wie ein armseliger, unnötiger Klang.
Ganz anders die Schau des slowakischen Cineasten und Fotografen Martin Kollar (*1971). Unter dem Titel ‹Provisional Arrangement› zeigt er im Untergeschoss eine Schau mit den Aufnahmen, deren Realisation und Publikation ihm der erste Prix de l'Elysée ermöglicht hat. Die wegen der fehlenden Bildlegenden zunächst irritierende Präsentation, zu der ihn die Direktorin Tatyana Frank und die Konservatorin Lydia Dorner eingeladen haben, entpuppt sich auch kuratorisch als Geniestreich. Nicht nur zwingen einen die verschiedenen Formate zu immer wieder neuer Distanznahme zu den Bildern. Auch die sich darin eröffnenden Perspektiven wechseln ständig. Man blickt zu einer Taube hoch, die mit einer Blutkonserve vorbeifliegt, in eine Schlucht hinab, in die eine Brücke gerutscht ist, seitlich an einem Haus vorbei, wo sich Holzlatten auftürmen -, ohne darüber hinaus entscheiden zu können, ob man sich nun in der Slowakei, in den USA, der Schweiz oder China befindet. Aus dem Blickwinkel eines Individuums in steter Bewegung verliert so letztlich sogar die Einsicht an Bedeutung, dass die modernen Utopien Übergangslösungen gewichen zu sein scheinen und niemand so genau weiss, wie es jetzt weitergehen soll.

Bis 
31.12.2016
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Martin Kollar, Wojciech Zamecznik 21.09.201631.12.2016 Ausstellung Lausanne
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