Bernd und Hilla Becher - Fotografie als Skulptur

Bernd und Hilla Becher · Zeche Hannibal, Bochum, Ruhrgebiet, D, 1973, Schwarz-Weiss-Fotografie, Silbergelatine-Abzug, 60x50 cm, Courtesy Hauser & Wirth

Bernd und Hilla Becher · Zeche Hannibal, Bochum, Ruhrgebiet, D, 1973, Schwarz-Weiss-Fotografie, Silbergelatine-Abzug, 60x50 cm, Courtesy Hauser & Wirth

Besprechung

Die Ausstellung bei Hauser & Wirth ist mit 17 Fotografien ein Querschnitt durch das Œuvre von Bernd und Hilla Becher. Während vierzig Jahren hielt das in Düsseldorf verwurzelte Paar Industriebauten fest und dokumentierte mit sachlichen Aufnahmen und einer skulpturalen Ästhetik die damalige Realität

Bernd und Hilla Becher - Fotografie als Skulptur

ritt man in den hellen Galerieraum von Hauser & Wirth ein, fällt gleich der minimalistische Charakter der Ausstellung auf: Zu sehen sind insgesamt 17 Fotografien, die vom Kurator Olivier Renaud-Clément in Zusammenarbeit mit Max Becher, dem Sohn des Paars, ausgesucht wurden. Dabei scheint die Architektur des Ausstellungsorts, wo einst das Löwenbräu gebraut wurde, die industriellen Sujets der beiden Konzeptfotografen widerzuspiegeln. Bernd Becher (1931-2007) und Hilla Wobeser (1934-2015) lernten sich 1957 an der Kunstakademie Düsseldorf kennen und begannen kurz darauf zusammenzuarbeiten. Von den späten Sechzigern bis in die frühen Neunzigerjahre fotografierten die Bechers eine Vielzahl an Industriebauten, darunter Fördertürme, Gasbehälter, Hochöfen, Kühl- und Wassertürme. Dabei hielten sie ihre Objekte immer auf die gleiche, wiederkehrende Weise fest: meist frontal, formatfüllend, in neutralem Licht und mit einheitlichen Horizontlinien. Die einzelnen Bilder stellten sie anschliessend zu Tableaus, zu Serien zusammen. So entstand eine visuelle Enzyklopädie, welche die Typologie industrieller Strukturen dokumentiert. Durch die serielle Aufnahme desselben Objekts, versuchten die Bechers, wiederkehrende Eigenschaften und Abweichungen aufzuzeigen. Der analytische Charakter ihrer Arbeit wurde durch die ‹deadpan› Fotografie ermöglicht: durch die trockene, distanzierte und sachorientierte Ausdruckslosigkeit der Aufnahmen. Die Bechers positionierten sich so gegen die Exzesse der Life-Fotografie und deren Anliegen, eine persönliche Sichtweise, eine persönliche Handschrift in den fotografischen Prozess einfliessen zu lassen. Heimatkundlich beschränkten sie sich auf den eigenen Lebensraum und auf die meistens übersehenen Objekte darin. Mit diesem Ansatz wurde nach Bernd und Hilla Bechers Berufung an die Düsseldorfer Kunstakademie eine ganze Schule identifizierbar. Die Düsseldorfer Fotoschule wurde zur einer der bedeutendsten Ausbildungsstätten und ästhetischen Formationen Deutschlands.
Die Ausstellung ist nicht nur eine Reise in vergangene Zeiten, sondern auch eine Rückbesinnung auf die Gegenwart und die Bedeutung des fotografischen Mediums. Denn die grossformatigen Fotografien verleiten durch ihre skulpturale Monumentalität nicht zum schnellen Konsumieren, sondern dazu, sich Zeit zu nehmen und die Bilder auf sich wirken zu lassen. Hier ist die Fotografie noch nicht zum schnelllebigen Medium der sozialen Netzwerke verkommen, sondern behauptet sich als Kunstwerk.

Bis 
22.12.2017
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Bernd Becher, Hilla Becher 14.10.201722.12.2017 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Künstler/innen
Bernd Becher
Hilla Becher
Autor/innen
Giulia Bernardi

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