Bone 21 — Ein Festival definiert sich neu

Francisco Sierra · Die Bese Flöht, 2016, Öl auf Besen, 120 x 23 x 7 cm

Francisco Sierra · Die Bese Flöht, 2016, Öl auf Besen, 120 x 23 x 7 cm

Besprechung

Das Berner Performance-Festival ‹Bone 21› macht sich daran, seine Grenzen neu zu definieren. Im Jahr nach dem 20-Jahr-Jubiläum setzt das kuratorische Team Sibylle Omlin und San Keller auf Musik von Künstlerinnen und Künstlern und auf neue Spielorte. Man wagt sich wieder in den öffentlichen Raum.

Bone 21 — Ein Festival definiert sich neu

Bern — Es ist noch nicht lange her, da galt Performance als sehr experimentelle Kunstform für ein kleines Publikum. Doch das Interesse ist gewachsen; zahlreiche Anlässe und Festivals für Performance haben sich in der Kunstwelt etabliert. Verändert hat sich auch das Programm des Berner Festivals ‹Bone›, das in diesem Jahr zum 21. Mal stattfindet, und – unter dem Leitungsduo Sibylle Omlin und San Keller – räumliche und formale Grenzen öffnet. Eine wichtige Novität stellt der Programmteil ‹B for Music› dar, der im Progr stattfindet. Künstler und Künstlerinnen treten an den vier Festivalabenden als Musikerinnen und Musiker auf – in spontanen und halbspontanen Verbindungen. Zudem ist eine Ausstellung mit ihren Arbeiten zu sehen. Viele der gezeigten Werke nehmen deutlich Bezug auf die Doppeltätigkeit der Künstlerinnen-Musiker. Gewitzt kommt Francisco Sierras ‹Die Bese Flöht› daher, ein Objekt, das wie eine Verbindung aus Besen und Flöte aussieht. Rudolf Steiner zeigt die Fotografie einer riesigen Muschel aus Papiermaché, die an den Sound des Wellenschlags erinnert. Und Andrea Marioni präsentiert unter dem Titel ‹Ratatata, Boom, Bang, Wroooam› Flaschen und andere mit Zündschnüren versehene Gefässe, die an selbstgebastelte Bomben und lautstarke Detonationen erinnern. Zum kuratorischen Konzept dieser Ausstellung gehört, dass alle Werke, auch die Bilder, frei im Raum stehend oder hängend präsentiert werden, das erzeugt eine lockere, gleichsam schwingende Atmosphäre. Den Aktionskünstler Keller fasziniert an Musik die Dimension der Emotionalität, das Berührende, Bewegende, Verbindende. Aber auch die Möglichkeit von Musik, Grenzen zu überschreiten – geografische ebenso wie individuelle. In der Musik, so Keller, sei «etwas selbstverständlich gegeben, wofür in der bildenden Kunst gekämpft werden muss». Sibylle Omlin zeichnet für den Programmteil mit «klassischen» Performances verantwortlich. Sie hat u. a. Katja Schenker eingeladen, die mit ihren Performances Bezüge zwischen Material und dem eigenen Körper erzeugt. Der schweizerisch-niederländische Künstler François Dey untersucht akustische Phänomene im Strassenraum. Damit ist bereits angedeutet, dass auch in diesem Teil des Programms eine Veränderung vorgenommen wurde: Fand die Vorjahresausgabe weitgehend im Schlachthaus Theater statt, so wagt sich ‹Bone 21› wieder vermehrt in den öffentlichen Raum. 

→ ‹Bone 21›, Progr, Schlachthaus Theater und öffentlicher Raum, 28.11.–2.12.2018

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BONE 21 28.11.201801.12.2018 Grossausstellung/Festival Bern
Schweiz
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