Familienbande — Indisch schön

Nainsukh von Guler · Raja Balwant Singh von Jasrota betrachtet mit dem Maler Nainsukh ein Bild, 1745–50, Jasrota, Pahari-Gebiet, Indien, Geschenk Balthasar und Nanni Reinhart, Barbara und Eberhard Fischer, Museum Rietberg

Nainsukh von Guler · Raja Balwant Singh von Jasrota betrachtet mit dem Maler Nainsukh ein Bild, 1745–50, Jasrota, Pahari-Gebiet, Indien, Geschenk Balthasar und Nanni Reinhart, Barbara und Eberhard Fischer, Museum Rietberg

Manaku von Guler · Krishna umschwärmt, Folio aus der Guler-Gitagovinda-Serie, 1730, Guler, Pahari-Gebiet, Indien, Geschenk Sammlung Horst Metzger, Museum Rietberg

Manaku von Guler · Krishna umschwärmt, Folio aus der Guler-Gitagovinda-Serie, 1730, Guler, Pahari-Gebiet, Indien, Geschenk Sammlung Horst Metzger, Museum Rietberg

Besprechung

Man weiss wenig über ihr Leben, aber man kennt sie dank -ihrer Bilder: die indischen Maler Manaku und Nainsukh von Guler. Diesen Malerbrüdern, ihrem Vater und ihren Söhnen, die ihr malerisches Erbe in sich vereinigten, widmet das Museum Rietberg eine kleine, aber gewichtige Ausstellung.

Familienbande — Indisch schön

Zürich —  Was für ein passender Name: «Freude des Auges», «Wohlgefallen fürs Auge». Für Kenner steht er für den vielleicht besten indischen Maler des 18. Jahrhunderts: Nainsukh von Guler. Auch Manaku, sein älterer Bruder, trägt das Leuchten im Namen, sein Name bedeutet «Rubin». Die beiden sind die Protagonisten der aktuellen Schau in der Park-Villa Rieter, die fünfzig Werke aus der eigenen Sammlung präsentiert und damit erneut beweist, wie hervorragend sie in Sachen indische Malerei aufgestellt ist. Auch der Vater, Pandit Seu, ist präsent. Von ihm, der ‹in der indischen Kunstgeschichte für den Beginn eines bedeutenden Wandels› in der Pahari-Malerei steht, haben die Brüder gelernt. Manaku (ca. 1700–1760), rund ein Jahrzehnt älter als Nainsukh, ist, so originell und im wörtlichen Sinne vorbildhaft er im Einzelnen sein mag, ein traditioneller Erzähler, der die grossen hinduistischen Mythen mit ihren Göttern und Dämonen lebendig werden lässt und wie sein Vater umfangreiche Serien schuf. Er zeichnet sich durch eine kräftige Malweise aus, eher einfache Hintergründe, auf denen sich das Erzählerische umso schöner abhebt, egal, ob er ausgewählte Einzelmomente oder das ganze Blatt überziehende Massenszenen gestaltet. Individualität steht bei seinen Figuren oder den Erscheinungen in der Landschaft nicht im Vordergrund, obwohl sich einem auch da so manches in seiner ganzen Grossartigkeit unvergesslich einprägt. Manaku hat in der Familienwerkstatt gelernt, bevor Vater Pandit Seu seinen Malstil, wohl unter dem Einfluss der Mogulmalerei, zu ändern begann und etwa den Bildraum in die Tiefe öffnete. Anders Nainsukh (ca. 1720–1778). Während Manaku sein Leben lang in Guler blieb (NW-Indien, nahe Himalayagebiet), verliess er im Alter von dreissig Jahren die Heimat und arbeitete am Fürstenhof von Jasrota, wo er zum engen Vertrauten von Raja Balwant Singh wurde. Aus seinen unglaublich lebensvollen Feinmalereien mit den eher zarten Farben und der geradezu berückenden Linienkunst spricht erlebte Zeit, spricht gelebte Wirklichkeit. Überhaupt viel Einfühlung, Zeugnisse einer von stiller Emphase getragenen Beobachtungsgabe. Liebevolle Details kennen wir auch aus anderen indischen Miniaturen. Wenn Nainsukh aber genau hinschaut, geschieht das mit einer derart innigen Andacht, dass man – so beim Wunderwerk ‹Raja Balwant Singh von Jasrota betrachtet mit dem Maler Nainsukh ein Bild› – glaubt, der Künstler habe die Bänder, mit denen die Vorhänge aufgebunden sind, selbst gefertigt und angebracht.

Bis 
17.02.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Familienbande - Die indischen Maler Manaku und Nainsukh 04.10.201817.02.2019 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Autor/innen
Angelika Maass
Künstler/innen
Manaku
Nainsukh

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