Fire & Clay — Gebrannte Malerei

Fire & Clay, Gagosian Gallery Geneva, 2018 (Ausstellungsansicht). Foto: Annik Wetter

Fire & Clay, Gagosian Gallery Geneva, 2018 (Ausstellungsansicht). Foto: Annik Wetter

Fire & Clay, Gagosian Gallery Geneva, 2018 (Ausstellungsansicht). Foto: Annik Wetter

Fire & Clay, Gagosian Gallery Geneva, 2018 (Ausstellungsansicht). Foto: Annik Wetter

Besprechung

Die freie Kuratorin Fabienne Stephan führt in der Genfer Filiale der Gagosian Gallery von einem Höhepunkt jüngerer Künstlerkeramik zum anderen. So kühn hat sie dabei Brutales und Florales, Minimalistisches und Fantastisches miteinander kombiniert, dass es oft quasi im Hochsommer schneit.

Fire & Clay — Gebrannte Malerei

Genf — Behälter – Vasen, Töpfe, Schalen, Teller – haben es in sich, besonders wenn sie von einer gewissen Dimension sind. Mit Lippe, Bauch, Fuss spiegeln sie unseren Körper und fordern ihn hieratisch zum Stillstand auf, während die Leere in ihrem Innern zur Aufnahme von allem einlädt, was sie durch das Spiel ihrer Formen, Farben und Texturen in uns auslösen. Bereits das in die frühen Achtzigerjahre zurückführende Präludium der Schau, das zwei im California Clay Movement verankerten Figuren gehört, führt in eine enorme Spannbreite von Dispositionen, nicht ohne Fragen zur geschlechtlichen Konnotation künstlerischer Gesten zu eröffnen. In Betty Woodmans (1930–2018) aus weicher Terracotta hochgezogener Vase, die sie erst zart mit Blüten geschmückt und dann mit einer irisierenden Glasur übergossen hat, bekräftigt sich weibliches Zivilisationsvermögen, in Peter Voulkos’ (1924–2002) in zähes Steinzeug gedrückter Schale, in die er grob Kerben geschlagen hat, gerinnt Testosteron. Unter den aktuellen Positionen, die Fabienne Stephan zusammen mit Johan Nauckhoff von der Gagosian Gallery teils aus deren Programm, teils aus anderen Kontexten ausgewählt haben, fallen zunächst vor allem diejenigen Werke auf, bei denen Kunstschaffende das gestalterische Potenzial des Brennprozesses über den Einschluss verschiedenster Materialien von Stecknadeln bis zu Vinyl ausreizten. Sowohl die riesigen, klumpigen Teekacheln Takuro Kuwatas wie auch die Träumen oder Märchen entsprungenen Pilzmännchen und Eulenfigürchen Sylvie Auvrays gewinnen durch mehr oder weniger grosse Ausbuchtungen, Blasen und Warzen eine stupende Präsenz. Sterling Ruby benutzt dagegen sämtliche Werkphasen der Keramik, um banale Dinge in plastische Metaphern zu verwandeln. So wird ein Herz zum Bild für zermarternder Liebeskummer oder ein  Behälter mit Abfällen und einer aufsteigenden Tonwulst zu einem in neue Spähren führenden Misserfolg. Grant Levy-Lucero und Shio Kusaka wiederum gelingen auf ihren eher wie dreidimensionale Leinwände benutzten Behältern unerwartete Abwandlungen der Pop Art und des Minimalismus. Ersterer hat seine aus Würsten aufgebauten Flaschen mit den Grafiken bekannter Marken bemalt. Letztere kippt bei der begonnenen Bemalung ihrer bauchigen Amphoren mit parallelen Linien – eine Malerei, die an Agnès Martin oder Frank Stella erinnert –, plötzlich in andere Richtungen, als seien die Linien plötzlich von der keramischen Silhouetten verführt worden.

Bis 
15.12.2018

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