Hodler

Ferdinand Hodler · Thunersee mit Spiegelung, 1904 Öl auf Leinwand, 89 x 100 cm, Privatbesitz. Foto: SIK-ISEA, Zürich

Ferdinand Hodler · Thunersee mit Spiegelung, 1904 Öl auf Leinwand, 89 x 100 cm, Privatbesitz. Foto: SIK-ISEA, Zürich

Ferdinand Hodler · Heilige Stunde, 1911, Öl auf Leinwand, 187 x 230 cm, Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte, Winterthur. Foto: Philipp Hitz / SIK-ISEA

Ferdinand Hodler · Heilige Stunde, 1911, Öl auf Leinwand, 187 x 230 cm, Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte, Winterthur. Foto: Philipp Hitz / SIK-ISEA

Hinweis

Hodler

Bern — Es ist alles da: vom frühen Selbstbildnis des unruhigen Fragers über die grossen symbolistischen Bilder bis hin zu den späten Genferseelandschaften, die den Blick immer mehr ins All, ins Unendliche weiten. Lauter Werke, von den grossen Fragen begleitet, den Empfindungen, die jeder hat: ausgesetzt in die Welt und wie alles Lebendige den Elementargewalten unterworfen, aufgehoben in der alles übersteigenden Natur. Auch die Ausstellung zu Hodlers 100. Todestag zeigt Grösse, und zwar in ihrer Einfachheit. Mit neunzig Gemälden, die von einer schmalen Auswahl an Dokumenten und Büchern ergänzt werden, ist sie gut überschaubar. Vor allem lässt sie die Bilder ohne Inszenierungsfirlefanz für sich sprechen; das Zartgrau der Wände und das Graugrün der Sockel im Altbau des Kunstmuseums bringen die leuchtenden Farben und drängenden Linien zur Geltung. Das kommt Ferdinand Hodler, der sich als Künstler für alle verstand, entgegen. Ihm, der gesagt hat: «Die innere Bedeutung meiner Werke ist unmittelbar durch Form und Linie, Komposition und Farbe dargestellt; da gibt es nichts zu deuten, sondern nur zu sehen.» Freilich, dieses Nur ist gross und das Sehen braucht Zeit. In zehn durchwegs knapp gehaltenen, aber ausgezeichnet bestückten Kapiteln entsteht so, wie Direktorin Nina Zimmer betont, welche die Schau zusammen mit Laurence Madeline (Paris) kuratiert hat, ein visueller Essay. Er ist unterlegt mit Zitaten aus Hodlers Selbstmanifest ‹La mission de l’artiste› – ‹Die Aufgabe des Künstlers› (1897, Vortrag Fribourg) und lenkt den Blick scheinbar vordergründig aufs Augenfällige: auf den Parallelismus der Natur, der menschlichen Gestalt, auf vertikalen und horizontalen Parallelismus und den Parallelismus der Empfindung. Das mag etwas didaktisch sein, aber es funktioniert. Die Ausstellung ‹Hodler // Parallelismus› im Kunstmuseum Bern, die von sich sagt, «Hodlers Schaffen erstmals im Lichte seiner Theorie des Parallelismus» zu präsentieren, zeigt zwar keinen neuen Hodler und hat nicht das Gewicht jener fesselnden Schau, die 2008 hier zu sehen war. Aber sie macht Hodlers Werk zugänglich, indem sie auf Kompositionsprinzipien aufmerksam macht. Reihungen, Wiederholungen, Symmetrien, Spiegelungen – egal ob in den Thunerseelandschaften mit ihrem überirdischen Blau, den musikalischen Mehrfigurenbildern oder den ausufernden kosmischen Landschaften am Ende: Wie da «Geometrie» und «Weltanschauung» zusammenfinden, ist beeindruckend. 

Bis 
13.01.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Hodler//Parallelismus 14.09.201813.01.2019 Ausstellung Bern
Schweiz
CH
Künstler/innen
Ferdinand Hodler
Autor/innen
Angelika Maass

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