Kyra Tabea Balderer — Szenario

Kyra Tabea Balderer · Sacra Conversazione, 2018, Triptychon (mittleres Bild), Fotografie, C-Print (Handabzug), je 65 x 50 cm

Kyra Tabea Balderer · Sacra Conversazione, 2018, Triptychon (mittleres Bild), Fotografie, C-Print (Handabzug), je 65 x 50 cm

Besprechung

Die diesjährige Manor-Kunstpreis-Trägerin Kyra Tabea Balderer schafft abstrakte, haptisch wirkende Bildwelten. Die Foto-arbeiten kombinieren auf raffinierte Weise Plastik, Malerei und Fotografie. Vor allem die neuen Werke reizen das malerische Potenzial der Fotografie virtuos aus.

Kyra Tabea Balderer — Szenario

Luzern — Es ist schwer vorstellbar, dass die Fotografien von Kyra Tabea Balderer (*1984) ausschliesslich selbst gebaute, farbig bemalte Bricolage-Skulpturen aus Materialien wie Karton, Holz oder Spiegeln zeigen. Die Betrachterin fragt sich, was eigentlich zu sehen ist, was im realen Raum aufgebaut ist und was auf der Bildfläche geschieht. Denn vielfach sind die Motive abstrakt-kubistisch, konkret-konstruktiv, und sie stiften räumliche und optische Irritationen. So zeigt das Triptychon ‹Sacra Conversazione›, 2018, eine sehr abstrahierte Madonna mit Kind in Form einer angedeuteten violetten Schere, deren Spitze in eine weisse Segmentform mündet. Im Bild ist keine Konversation zu erkennen. Dies wirft die Frage auf, wie Dinge miteinander und mit uns kommunizieren. Zudem springt ins Auge, dass die Künstlerin von Urformen ausgeht, einem Rad, dem Quadrat oder einer Schlangenform, und dass sie mit einem grossen Farbenspektrum spielt, das sie dem digitalen Pigmentdruck verdankt. Den Arbeiten liegen Fragen zur Darstellung von Räumlichkeit zugrunde. Wenn Kyra Tabea Balderer ihre Objekte mit der analogen Grossbildkamera aus unterschiedlichen Perspektiven festhält, spielt der lange Prozess der Bildfindung eine wichtige Rolle. Er umfasst Fragen der Komposition, der Farbigkeit, der Beziehung zwischen Figur und Grund sowie des Spiels mit den unterschiedlichen Bildebenen. Gefundene Objekte im Zusammenspiel mit einem reichen kunsthistorischen Fundus, namentlich der Klassischen Moderne, bilden den Ausgangspunkt. Da die Bricolagen nur für eine Aufnahme bestehen und danach wieder aufgelöst werden, lagern und stapeln sich die Dinge im Atelier. Sie konstituieren einen Formenfundus, welcher die Künstlerin zu assoziativen Verknüpfungen und neuen bildnerischen Konzepten animiert – auch wenn sie bereits ein inneres Bild eines Werks vor sich hat. Wenn Kyra Tabea Balderer grossräumige Installationen anfertigt und nur einen kleinen Ausschnitt davon fotografiert, tut man sich schwer, das Abgebildete in Bezug auf Grössenverhältnisse richtig einzuordnen. Dies nutzt sie für ihre Werke. So verweist der Ausstellungstitel ‹Szenario› darauf, dass die Künstlerin den Ausstellungsraum als Bildraum auffasst und ihn als natürliche Erweiterung ihres Werks nutzt, indem sie in seiner Mitte ein segmentiertes Kabinett mit roten und gelbgrünen Wänden als Bühne für ihr Triptychon aufstellt. 

Bis 
06.01.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Kyra Tabea Balderer. Szenario 13.10.201806.01.2019 Ausstellung Luzern
Schweiz
CH
Künstler/innen
Kyra Tabea Balderer
Autor/innen
Dominique von Burg

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