Radiophonic Spaces

Beatrize Ferreyra · 1967. Foto: Bernard Perrine

Beatrize Ferreyra · 1967. Foto: Bernard Perrine

Ohr auf Reisen, Themenwoche 3, 6.–11.11.2018, H.E.I.-Guide, Courtesy Tinguely Museum

Ohr auf Reisen, Themenwoche 3, 6.–11.11.2018, H.E.I.-Guide, Courtesy Tinguely Museum

Hinweis

Radiophonic Spaces

Basel — Radio ist nicht Radio: Für die einen ein Gerät, das per Knopfdruck regionale Nachrichten in die Küche rieseln lässt, bedeutet es anderen so viel wie ein digitaler Kiosk mit Podcasts für unterwegs – ein Angebot für den Mix nach eigenem Rhythmus und Geschmack. Hier ein beiläufiger Musikspender, ist es dort Quelle für Kulturnachrichten oder Wortbeiträge, die das individuelle Gedankengut um reale oder fiktionale Ansichten zu weiten verspricht. Wer zuhause einem Sender treu bleibt, gewinnt über Jahre seine verlässlichsten Gäste und Mitbewohnerinnen – Stimmen, die entlang -eines genauen Fahrplans den Alltag mit Sachinformationen und guter Laune untermalen. Aktuell widmet sich das Museum Tinguely dem Leitmedium des 20. Jahrhunderts. Über 200 Werke aus 100 Jahren Radiokunst laden zum Parcours durch die Geschichte der experimentellen Komposition und der tonbasierten Erzählung ein. Eine immersive Audio-Technologie macht Besucherinnen und Besucher im Raum zu Empfängern für sonst kaum zugängliche Schätze der Radiokunst. ‹Plattengeschichten›, ‹Funkstille› oder ‹Radio-Mobile›, ‹Ecce Homo› oder ‹Expanded Radio› sind nur einige der 13 Begriffe, die im unsichtbaren Kopfkino Orientierung bieten und einzelne Werke einer radiohistorischen, technologischen oder kulturphilosophischen Perspektive zuordnen. Die Hörstationen selbst sind vom Künstler, Architekten und Musiker Cevdet Erek gestaltet und machen augenfällig, wie anwesend abwesend Radio in uns und für uns wirkt: Ein filigranes System aus Kabeln und Sendern, die wir spontan kaum als solche zu identifizieren vermöchten, genügen: Schon sind wir – individuell mit Mobilgerät und Kopfhörern ausgestattet – im Zuhören einem eigenen Erlebnis überlassen, einer vereinzelten Suchbewegung auf der Spur. Es ist ein riesiger Fundus. Es ist ein mächtiges Angebot für Vertiefung und Recherche zur Radiokunst von John Cage bis Iannis Xenakis, von ‹A Comedy of Danger›, 1924, bis ‹Zone de silence›, 2014. Und auch wer die schiere Dauer der radiophonen Wanderung fürchtet oder dem wissenschaftlichen Tiefgang wenig abgewinnen kann, muss bis im Januar dem Museum nicht fernbleiben: Jede Ausstellungswoche führt bis Ende Januar ein eigenes Thema mit, bietet Workshops, Hörexpeditionen, Anleitungen zum Bau eines Radioempfängers oder Gastspiele mit Redaktor/innen. Einsteigen können alle, die wissen wollen, wohin das Radio der Zukunft geht.

Bis 
27.01.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Radiophonic Spaces 24.10.201827.01.2019 Ausstellung Basel
Schweiz
CH

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