Robin Rhode — Zu zweit ist man weniger allein

Robin Rhode · Ausstellungsansicht Museum Haus Konstruktiv, 2018, Courtesy kamel mennour, Paris/London. Foto: Stefan Altenburger

Robin Rhode · Ausstellungsansicht Museum Haus Konstruktiv, 2018, Courtesy kamel mennour, Paris/London. Foto: Stefan Altenburger

Besprechung

Robin Rhode, der Gewinner des diesjährigen Zurich Art Prize, präsentiert im Haus Konstruktiv ein Plädoyer gegen die Isolation. In seinen Arbeiten vereint er unterschiedliche Medien und Figuren und forciert den künstlerischen Dialog – auch mit dem Publikum.

Robin Rhode — Zu zweit ist man weniger allein

Zürich — Das, was man sieht, sieht man mehrfach: Zwei ineinander verkeilte, schwarz lackierte Fahrräder sind mittig in der grossen Halle im Erdgeschoss im Haus Konstruktiv platziert. Zwei von der Decke hängende stählerne Zirkel, menschenhoch, drehen sich um die eigene Achse und schwingen sanft durch den Raum. Nähert man sich den Zirkeln, erhöht sich die Intensität der Drehungen und Mensch und Maschine sind vereint im temporären Duett. An die Wand gedrängt liegen Einzelteile eines Autos, ebenfalls schwarz lackiert, als Überbleibsel einer Performance während des Eröffnungsabends. Schwarze Schleifspuren an den Wänden sind ein Indiz, dass Robin Rhode (*1976, Kapstadt) die Autoteile als grobe Pinsel nutzte. Der in Berlin lebende südafrikanische Künstler ist der elfte Gewinner des Zurich Art Prize, nach namhaften früheren Preisträger/innen wie Latifa Echakhch, Mariana Castillo Deball oder Tino Sehgal, und bespielt derzeit mit einer Einzelausstellung in konstruktivistischer Tradition die unteren beiden Stockwerke des Zürcher Museums. Doch während geometrische Gestaltungsformen in seiner Praxis unbestreitbar eine Rolle spielen, sind seine Inhalte oft auch politisch – geprägt von der Situation in Südafrika, wo nach wie vor viele seiner Arbeiten entstehen, wie auch von der besorgniserregenden Weltlage, der er eine optimistische Kunst entgegenstellt. Dass diese optimistische Kunst nicht ins Naive kippt, verdankt sich zum einen der klaren Formensprache des Künstlers, die in ihrer Reduktion eine durchdachte konzeptionelle Anlage bezeugt, zum anderen seinem doppelbödigem, vieldeutigem und komplexem Umgang mit verschiedenen Medien. Deutlich wird die Komplexität in den Arbeiten im ersten Stock. Sie legen einen mehrstufigen Entstehungsprozess offen und beziehen die Ausstellungsräume als relevantes Rezeptionselement mit ein: Zu sehen sind mehrere serielle Fotografien verschiedener Wandmalereien in Johannesburg. Diese wiederum hängen an Wänden, die mit den gleichen geometrischen Formen bemalt sind, die auch auf den Bildern zu sehen sind. Dass der Boden auf den Fotografien und im Haus Konstruktiv die gleiche Farblichkeit und Materialität hat, tut ein Übriges. Die Dopplungen, die schon im Erdgeschoss eine Rolle spielten, tauchen also auch hier wieder auf und Rhode verwischt räumliche und zeitliche Trennungen durch geschickte formale Vexierspiele. Dass er mit den Arbeiten im ersten Stock ausserdem etwas Farbe in den Zürcher Winter bringt, ist ein schöner Nebeneffekt.

Bis 
13.01.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
ROBIN RHODE - a plan of the soul 25.10.201813.01.2019 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Autor/innen
Mathis Neuhaus
Künstler/innen
Robin Rhode

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