Sondra Perry und Arthur Jafa — Identität und Machtstrukturen

Sondra Perry · Typhoon Coming On, 2018, Installationsansicht Luma Westbau, Löwenbräukunst, Zürich. Foto: Stefan Altenburger

Sondra Perry · Typhoon Coming On, 2018, Installationsansicht Luma Westbau, Löwenbräukunst, Zürich. Foto: Stefan Altenburger

Arthur Jafa · Love Is the Message, the Message Is Death, 2018, Installationsansicht Luma Westbau, Löwenbräukunst, Zürich. Foto: Stefan Altenburger

Arthur Jafa · Love Is the Message, the Message Is Death, 2018, Installationsansicht Luma Westbau, Löwenbräukunst, Zürich. Foto: Stefan Altenburger

Besprechung

Fragen der Identität werden nicht nur individuell verhandelt, sondern speisen sich auch aus kollektiven Erfahrungen, Erinnerungsschätzen und Traumata. Zwei Ausstellungen bei Luma Westbau nehmen sich des weiten Feldes der Identitätsbildung an und verhandeln «Blackness» als agile und wendige Prämisse.

Sondra Perry und Arthur Jafa — Identität und Machtstrukturen

Zürich — Unmittelbar wird man umhüllt. Von einer sanft mäandernden violetten See, die wirkt wie der nicht fassbare Hintergrund eines Traums. Die wandfüllenden Projektionen, die Teil der Ausstellung ‹Typhoon Coming On› von Sondra Perry (*1986, Perth Amboy, New Jersey) im Luma Westbau sind, verlangen eine Rekalibrierung der Sinne und eine Veränderung der Haltung. Die raumgreifende See ist ein digital bearbeitetes Fragment des Gemäldes ‹Das Sklavenschiff› des Malers William Turner aus dem Jahr 1840 und erstes Indiz für die Themen, die Sondra Perry in ihren Videos und immersiven Rauminstallationen untersucht: Schwarze Identität, digitale Kultur und Machtstrukturen unserer Gesellschaft seziert sie aus persönlicher Perspektive und mit den technischen Möglichkeiten der Gegenwart. Dass es eine Schnittmenge zwischen der persönlichen Perspektive des Individuums und den Erfahrungen eines Kollektivs gibt, vor allem dann, wenn es um schwarze Identität in den USA geht, zeigt sich im zweiten Teil der Schau. Auf einem Flachbildschirm läuft eine Videoarbeit, in der Sondra Perry selbst gefilmte und gefundene Clips zu einer Collage montiert, welche die individuelle Identität genauso behandelt wie die Ohnmacht gegenüber repressiver Polizeigewalt. Kollektiv und Individuum lassen sich in Sondra Perrys Arbeiten nicht voneinander trennen: Während der Betrachtung der Videocollage blickt man auch auf die Arbeit ‹TK (Suspicious Glorious Absence)›, eine ebenfalls wandfüllende Projektion von Perrys eigener, digital manipulierter Haut, die fleischig über die Wand fliesst und so eine Parallele zum verfremdeten Turner-Gemälde im ersten Teil der Ausstellung eröffnet. Es sei an dieser Stelle empfohlen, nach dem Besuch der Ausstellung von Sondra Perry auch noch die andere derzeitige Ausstellung im Luma Westbau zu besuchen. Im dritten Stock des Löwenbräu-Areals wird der Film ‹Love Is the Message, the Message Is Death› von Arthur Jafa gezeigt (*1960, Tupelo, Mississippi). Bestehend aus neuem, archiviertem und gefundenem Filmmaterial ist auch dieser Film eine Collage, die schwarze Identität und Lebensrealität in den USA in all ihren Widersprüchlichkeiten verhandelt. Während Sondra Perry die Möglichkeiten des Digitalen auslotet, präsentiert Jafa ungefiltert das, was ist, und das, was war. Das kuratorische Konzept geht auf: Perrys Arbeiten und der Film von Jafa unterscheiden sich zwar formal oft deutlich, doch beide fordern eine eigene Deutungshoheit über schwarze Identität ein, ohne sich einem Dialog zu verschliessen.

Bis 
13.01.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Sondra Perry, Arthur Jafa 12.10.201813.01.2019 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Künstler/innen
Arthur Jafa
Sondra Perry
Autor/innen
Mathis Neuhaus

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