Walter Bosshard — Wettlauf um China

Walter Bosshard · Warentransport, China, 1930er-Jahre © Fotostiftung Schweiz / Archiv für Zeitgeschichte

Walter Bosshard · Warentransport, China, 1930er-Jahre © Fotostiftung Schweiz / Archiv für Zeitgeschichte

Walter Bosshard · Japanischer Bombenangriff auf eine Bahnlinie, Hankou, 1938 © Fotostiftung Schweiz / Archiv für Zeitgeschichte

Walter Bosshard · Japanischer Bombenangriff auf eine Bahnlinie, Hankou, 1938 © Fotostiftung Schweiz / Archiv für Zeitgeschichte

Besprechung

Es ist ein starkes Stück hierzulande wenig bekannter Geschichte, das die Fotostiftung Schweiz mit Walter Bosshards Reportagen aus China bietet. Einst berühmt, dann etwas in Vergessenheit geraten, spricht uns der Fotograf mit seinem Thema und den in die Tiefe gehenden Bildern unmittelbar an.

Walter Bosshard — Wettlauf um China

Winterthur — Die Arbeit dieses Mannes macht einem wieder bewusst, was Dokumentarfotografie, die den Namen verdient, leisten kann. Nämlich Zeugnis ablegen von dem, was ist; Zeugnis ablegen von dem, woraus sich Geschichte konstituiert. Kenntnisreich, der Sprache mächtig, mit den Umständen vertraut, der äusseren Wahrheit verpflichtet, wenn es um Fakten geht, und – wenn er beispielhafte Geschichten erzählt – der inneren Wahrheit: So arbeitet Walter Bosshard (1892–1975), so ist er unterwegs. Weil er viel zu sagen hat und seine Fotografien eine eigenartig unaufgeregte Sprache sprechen, sind sie fast immer auch schön. Die reich bestückte Schau beweist das mit zahlreichen Vintage Prints und zum Teil erstmals veröffentlichten Abzügen aus späterer Zeit dutzendfach: Bosshard im Original, Bosshard «in Reinkultur», wie Peter Pfrunder sagt, der für die Ausstellung verantwortlich zeichnet und für das attraktive Buch über den Fotojournalisten und politischen Korrespondenten, der schon zu Lebzeiten zum Mythos wurde. Die Schau ist Bosshards glorreichem Jahrzehnt gewidmet, den Dreissigerjahren in China, wo er in Beijing seine «wirkliche Heimat» und als Berichterstatter für die Ullstein-Presse, dann für Medien im angelsächsischen Raum oder die Neue Zürcher Zeitung ein Millionenpublikum fand. Schon früh erkannte er, wie wichtig die Ereignisse in China sind, er versucht zu begreifen, unparteiisch, in Kenntnis beider Seiten, der Nationalisten unter Tschiang Kai-shek, der Roten Armee unter Mao Zedong. Er, der grosse Netzwerker mit diplomatischen Qualitäten, kommt allen wichtigen Akteuren nah, zeigt sie in ruhigen, intensiven Aufnahmen und weiss immer den Text dazu. Das trifft für Robert Capa, den Star der Kriegsreporter, weniger zu. Seine Bilder von 1938 – Agonie und Fall der Stadt Hankou – ergänzen die des älteren Bosshard. Sie sind insgesamt vielleicht etwas dramatischer, etwas spontaner, aber ohne das tiefe Verständnis des Schweizers. Bosshard, Augenzeuge der inneren Machtkämpfe Chinas, der japanischen Übergriffe und des zweiten sino-japanischen Kriegs mit all seinem Elend, der Zustände in der geliebten Inneren Mongolei, war ein Aufklärer, dem es vor allem die einfachen Menschen und ihr Alltag angetan haben. So bedeutend die Personen, so sensationell die Ereignisse sein mögen, so unspektakulär treten sie einem in der Regel auf Bosshards Bildern entgegen. Mag sein, dass ihre Überzeugungskraft gerade darum so gross ist.

Bis 
10.02.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Walter Bosshard / Robert Capa. Wettlauf um China 22.09.201810.02.2019 Ausstellung Winterthur
Schweiz
CH
Künstler/innen
Walter Bosshard
Robert Capa
Autor/innen
Angelika Maass

Werbung