Edward Curtis

Edward S. Curtis · Mosa – Mohave, 1903, ­Fotogravur, McCormick Library of Special ­Collections, Northwestern University Libraries

Edward S. Curtis · Mosa – Mohave, 1903, ­Fotogravur, McCormick Library of Special ­Collections, Northwestern University Libraries

Edward S. Curtis · Kutenai Duck Hunter, 1910, Fotogravur, McCormick Library of Special ­Collections, Northwestern University Libraries

Edward S. Curtis · Kutenai Duck Hunter, 1910, Fotogravur, McCormick Library of Special ­Collections, Northwestern University Libraries

Hinweis

Edward Curtis

Zürich — Vielleicht kennen die einen oder anderen Leser/innen noch die ­Plastikfiguren aus der Kindheit, mit denen «Wild West» gespielt wurde. Der schiesswütige Cowboy vor dem Saloon war ebenso dabei wie der flotte US-Army-Offizier auf seinem galoppierenden Pferd und der wild gegen die Palisaden des Forts anrennende Indianer mit Tomahawk und Federschmuck. Schön stereotyp. Mit Stereotypen arbeitete auch Edward Sheriff Curtis (1868−1952) in seinen berühmten Fotografien von Indianern Nordamerikas. Oder interpretieren wir bloss die Stereotype in die Wiederholungen der Bildmotive hinein? In der Sonderausstellung im ersten Stock zeigt ihn das NONAM als unermüdlichen Schaffer, der über Jahrzehnte hinweg eine umfassende Bestandesaufnahme einer tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderung erschuf. Curtis ging mit seiner Grossformatkamera oft und lange ins Feld, wo er die sorgfältig komponierten Bilder der ‹Vanishing Race› auf Glasplatten belichtete. Die davon gefertigten Fotogravuren bestechen auch heute noch durch ihre hohe Druckqualität und feine Tönung. In den Kommentaren der Bilder wies er auf Ungerechtigkeiten gegenüber den Ureinwohnern hin, scheute sich aber auch nicht, sie in einem Vortrag als «Heulsusen mit grossem Selbstmitleid» zu bezeichnen. Er sah sich nie als dokumentarischer Fotograf, sondern als Künstler, der die Bilder für ein weisses, «zivilisiertes» Publikum inszenierte. Der dokumentarische Anspruch wurde erst viel später an das Werk herangetragen. Den verschiedenen Erwartungshaltungen trägt der dokumentarische Teil der konzis aufgebauten Ausstellung Rechnung. Curtis war nicht nur fotografisch tätig, sondern machte auch Tonaufnahmen auf Wachswalzen und einen Spielfilm mit Laiendarstellern. ‹In the Land of the Headhunters› – im gleichen Atemzug wie Flahertys ‹Nanook of the North› zu nennen – ruinierte ihn jedoch. Er starb schliesslich mittellos und vergessen im Haus seiner Tochter, sein für 1500 Dollar verkauftes Archiv begraben im hintersten Winkel des Kellers eines Antiquitätenhändlers. Gut 40’000 Aufnahmen erstellte er für ‹The North American Indian›, von denen 2228 zwischen 1907 und 1930 in den zwanzig Bänden seines monumentalen Werks veröffentlicht wurden. Aus konservatorischen Gründen zeigt das NONAM die achtzig eindrücklichen Fotogravuren aus seinen Portfolios in vier Quartalen zu je zwanzig Folios. Für alle Bildwechsel sind personalisierte Kombitickets am Empfang erhältlich. 

Bis 
01.03.2020
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Curtis 11.05.201901.03.2020 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Künstler/innen
Thomas Schlup

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