Jan Hofer

Jan Hofer bei Akustiktests im Zimmermannhaus Brugg, 2018. Foto: Nicolas Duc

Jan Hofer bei Akustiktests im Zimmermannhaus Brugg, 2018. Foto: Nicolas Duc

Jan Hofer bei Akustiktests im Zimmermannhaus Brugg, 2018. Foto: Nicolas Duc

Jan Hofer bei Akustiktests im Zimmermannhaus Brugg, 2018. Foto: Nicolas Duc

Hinweis

Jan Hofer

Aarau — Die Geschichte wiederholt sich. Damit sind für einmal nicht nur die vielen beunruhigenden Analogien – propagandistische Aufwiegelung, Vorwurf der Lügenpresse etc. – zwischen Trump und Hitler gemeint. Sondern die Tatsache, dass Jan Hofer – dieses Jahr Gastkünstler mit eigenem Ausstellungsraum in der ‹Auswahl 19› im Aargauer Kunsthaus – eine Entwicklung durchmacht, die vor rund hundert Jahren schon einmal jemand durchgestanden hat. Der Harvard-Professor Wallace Clement Sabine stand damals vor der schwierigen Aufgabe, ein neues Auditorium der Hochschule vom Hall zu befreien, der das Vortragen darin unmöglich machte. Im Zuge seiner Untersuchungen entwickelte er die sogenannte Rumford-Fliese. Eine Wandfliese, bei deren Herstellung Ton mit organischem Material gemischt wird, das beim Brennvorgang restlos verbrennt und so schallschluckende Öffnungen in den Fliesen hinterlässt. Jan Hofer hat dieses mittlerweile im Zuge der technischen Entwicklungen im Schallbereich vergessene Material für seine Ausstellung im Brugger Zimmermannhaus 2018 zu rekonstruieren versucht. Mit mäs­sigem handwerklichem Erfolg – und überzeugend ehrlichem künstlerischem Umgang damit. Das Verhältnis von organischem Material und Ton stimmte noch nicht, die Fliesen zerbrachen oft schon beim Brennen, im Zimmermannhaus waren verschiedene Stadien der Entwicklung – und der Zerstörung – zu sehen. Für die ‹Auswahl 19› hat Jan Hofer den Herstellungsprozess nun optimiert und versieht einen Ausstellungsraum im Obergeschoss des Kunsthauses mit seinen eigenen Rumford-Fliesen. Sie sind, grad wie Gemälde, auf Kopfhöhe angebracht, weil sie besser funktionieren, je näher sie an der Tonquelle sind, sprich dem menschlichen Mund. Der White Cube wird durch diese Intervention gesprächsfreundlicher, der Austausch zwischen den Besucherinnen und Besuchern – nicht immer vorgesehen oder erwünscht im Kunstmuseum – vereinfacht. Und das Echo wird minimiert: Neben der «Filter Bubble» wird auch die Metapher der «Echo Chamber» verwendet, um unser aller Dilemma zu beschreiben, wonach wir nämlich digital oft einfach das an den Kopf zurückgeworfen bekommen, was wir ins Web hineinschreien; dass wir dabei, wie von einem Echo, in unserer Meinung permanent bestätigt werden. Und dass wir uns immer mehr in unsere eigenen Echokammern einnisten – und so auch zur Spaltung der Gesellschaft beitragen. Womit wir doch wieder bei Trump wären. 

Bis 
05.01.2020
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Auswahl 19 16.11.201905.01.2020 Ausstellung Aarau
Schweiz
CH
Künstler/innen
Jan Hofer
Autor/innen
Daniel Morgenthaler

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