Le couteau sans lame et dépourvu de manche

Marnie Slater · A Very Large Triangle (detail), 2014, Filzhut, Glühbirne mit Lichtschaltuhr, abgestimmt auf Sonnenaufgang und Sonnenuntergang auf der Insel Jersey. Foto: A. Mole

Marnie Slater · A Very Large Triangle (detail), 2014, Filzhut, Glühbirne mit Lichtschaltuhr, abgestimmt auf Sonnenaufgang und Sonnenuntergang auf der Insel Jersey. Foto: A. Mole

Meris Angioletti · Tanzlinde, 2019, Tanz­teppich, Sender von Schwingungen und Formen, ­Produktion CRAC Alsace. Foto: A. Mole

Meris Angioletti · Tanzlinde, 2019, Tanz­teppich, Sender von Schwingungen und Formen, ­Produktion CRAC Alsace. Foto: A. Mole

Hinweis

Le couteau sans lame et dépourvu de manche

Altkirch — Das Messer ohne Klinge und Griff – ‹Le couteau sans lame et dépourvu de manche›. Der Titel der neuen Ausstellung im CRAC Alsace im elsässischen Altkirch mutet etwas kryptisch an. Wirft er doch die Frage auf, was von einem Messer übrig bleibt, dem Griff und Klinge fehlen. Seit zwei Jahren beschäftigt man sich im CRAC Alsace intensiv mit dem literarischen Werk der französischen Schriftstellerin und Feministin Monique Wittig. Die Gender-Theoretikerin wurde 1935 ganz in der Nähe von Altkirch geboren und starb 2003 in den USA. Künstlerinnen und Künstler aus Brüssel und Paris, Los Angeles und San Juan in Puerto Rico hat die Kuratorin Elfi Turpin zu einer Ausstellung eingeladen, die um Themen wie Gender, Herrschaft und Utopie kreist. Mehrere Werke nehmen Bezug auf Wittigs zweiten Roman ‹Les Guérillères›. Lena Vandrey ist Wittig in den Sechzigerjahren sogar begegnet. Ihr Porträtbild, in das sie auch Haare, Pflanzen oder Muschelschalen einbrachte, hatte sie ihr einst geschenkt. Wittig leugnete die essenzielle Bedeutung von Kategorien wie Mann und Frau. Vielleicht haben sie unter anderem die Funktion, das Schreckensszenario schranken­loser Vermischung, wie sie sich bei der Strassburger Tanzepidemie von 1518 ereignete, zu bannen. Dabei scheint darin zugleich ein utopisches Moment auf. Meris Angiolettis Dancefloor mit geometrischem Bodenmuster bezieht sich auf das Ereignis. Die Italienerin in Paris möchte mit ihrem künstlerischen Tanzboden Kommunikation fördern und zu neuen, kollektiven Tänzen anregen. In der audiovisuellen Installation ‹Unfinished Sentence› von Tarek Lakhrissi geht es um Formen von Herrschaft und Diskriminierung. So hängen weichkurvig verbogene Eisenstäbe mit Pfeilspitzen an Ketten von der Decke, akustisch durch einen düsteren Klangteppich unterlegt. Mit ganz unterschiedlichen Mitteln erzählen Liv Schulman und Beatriz Santiago Muñoz Geschichten – Schulman in einer raumgreifenden Installation mit abstrakten textilen Formen und im Raum verteilten TV-Screens. Es geht um Zollbeamte und um Seelen, die zwischen Räumen und Personen flottieren. Beatriz Santiago Muñoz’ Drei-Kanal-Videoprojektion dagegen führt in eine Zukunft nach dem Patriarchat. Die surrealste Arbeit hat Marnie Slater mitgebracht: Eine rote Glühbirne hängt unter einem Herrenhut an einem Kabel von der Decke herab und erleuchtet einen ganzen Raum auf poetische Weise.

Bis 
12.01.2020
Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
CRAC Alsace Frankreich Altkirch
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Le couteau sans lame et dépourvu de manche 13.10.201912.01.2020 Ausstellung Altkirch
Frankreich
FR

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