Marlies Pekarek

Marlies Pekarek · Madonna im Waldgarten, 2019, Permanente Installation, Wallfahrtsort Maria Bildstein, Benken

Marlies Pekarek · Madonna im Waldgarten, 2019, Permanente Installation, Wallfahrtsort Maria Bildstein, Benken

Marlies Pekarek · Madonna im Bade, 2015, Installation im Badezimmer im Rahmen des Kunstprojekts ‹Geiler Block von Lila Bock›, St. Gallen. Foto: Benjamin Manser

Marlies Pekarek · Madonna im Bade, 2015, Installation im Badezimmer im Rahmen des Kunstprojekts ‹Geiler Block von Lila Bock›, St. Gallen. Foto: Benjamin Manser

Hinweis

Marlies Pekarek

Benken, St. Gallen, Steckborn — Mit ­Madonnen beschäftigt sich Marlies Pekarek schon seit Ende der Achtzigerjahre. Dabei interessiert sie weniger der religiöse Kontext als vielmehr weltgeschichtliche und gesellschaftliche Zusammenhänge, die Einbindung von Mariendarstellungen in die Alltagskultur sowie ganz grundlegende Fragen zur Stellung von Frauen und den ihnen zugeschriebenen Rollen. Anhand von Madonnen öffnet die Künstlerin exemplarisch ein Recherchefeld zu Macht, Selbstbestimmung und Ohnmacht. Mit Heiligenfiguren aus Seife oder Zucker umkreist sie Volksfrömmigkeit und tiefe Religiosität ebenso respektvoll wie distanziert und kritisch, ebenso visuell verführerisch wie instinktiv erhellend. Die Grenzen zwischen Gebrauchsgegenstand, Kommerz und Kunst, zwischen Original, Unikat, Multiple und Massenprodukt hat sie längst aufgehoben und deren Durchdringung bewusst vorangetrieben. Eine Marienstatue, die um 1930 für eine Kapelle in Appenzell entstanden ist, hat Marlies Pekarek 2015 als leicht überarbeitete Gussvorlage für eine grosse Seifenfigur genommen. Diese wurde samt einem im Körper eingegossenen «Klosterladen» Protagonistin der Installation ‹Madonna im Bade› in einem leerstehenden Wohnblock, wo das Publikum ähnlich den Richtern in der Bibelgeschichte sich ins Badezimmer drängte und zu jenen lüsternen Spannern wurde, die der Susanna beim Baden zuschauten und sie bedrängten. Aus derselben Gussform ist nun ein Zementguss entstanden, der den Weg zurück in züchtige Zusammenhänge gefunden hat. In Benken zwischen Ziegelbrücke und Uznach, wo es seit 500 Jahren einen Wallfahrtsort zur Marienverehrung gibt, wurde als Jubiläumsakt zu einem Kunstwettbewerb für die Erweiterung des einzigartigen Grottenwegs von Maria Bildstein eingeladen. So kommt es, dass Marlies Pekarek im September 2019 auf dem Sacro Monte eine Maria im Paradiesgarten nach ihren Plänen einweihen lassen konnte. Bereits hat die in der Kunstgiesserei in St. Gallen entstandene Figur Moos angesetzt und scheint, platziert auf einem Brocken Stein und umgeben von einem vorwiegend aus Mariapflanzen bestehenden Waldgarten, gut vertraut mit ihrer Aufgabe. Ein filigranes Alu-Gitter, inspiriert von Oblatenbildern, wie man sie von Lebkuchen her kennt, umschliesst bergseitig den neuen Ort der Andacht und Stille, aber auch der Auseinandersetzung kraft zeitgenössischer Kunst. 

Autor/innen
Ursula Badrutt Schoch
Künstler/innen
Marlies Pekarek

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