Maya Lama und Elza Sile

It’s no exaggeration to say the undecideds could go one way or another, 2019, Installation with masking fluid, ash, markers, cut-outs, beer, ink, 2 x 2 x 5 m

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Hinweis

Maya Lama und Elza Sile

Uster — Eigentlich bespielt die jeweilige Stipendiatin der akku Kunstkiste den Kubus im öffentlichen Raum allein. Maya Lama bat jedoch ihre Mitbewohnerin um Hilfe. Gemeinsam bringen sie Konzeptkunst gefährlich nahe ans Oktoberfest-Areal: eine leere Bierdose, Hände, die über einem bekritzelten Papier Tabak aus einer Zigarettenhülse in ein Filterpapier befördern, daneben weisses Pulver, das in unregelmässigen Linien auf seine Weiterverwendung wartet. Auf den ersten Blick wirken die Fotos in der aktuellen Kunstkiste-Ausstellung auf dem Ustermer Zeughausareal wie Dokumentationen von Drogenkonsum. Schaut man genauer hin, merkt man, dass die Bilder bearbeitet wurden, mit etwas, das nach weisser Korrekturflüssigkeit aussieht. Die weissen Linien sind auch Verfremdungslinien, die der Fotografie etwas Comic-haftes, dem Werk Dreidimensionalität verleihen und dessen Inhalt abstrahieren. Und schon sind wir mittendrin in der Arbeit von Maya Lama und im Thema der Schau. Die nepalesisch-japanische Konzeptkünstlerin ist aktuelle akku-Stipendiatin und stellt in der Kunstkiste aus. Sie hat den Master in Fine Arts an der ZHdK abgeschlossen und beschäftigt sich mit den Regeln des sozialen Zusammenseins, damit, was mit diesen passiert, wenn man sie aushebelt, neu erfindet oder in einen anderen Kontext versetzt. Für die Kunstkiste arbeitete Lama mit unterschiedlichen Medien wie Fotografien und Textschnipseln. Einer der im 90-Grad-Winkel zur zentralen Fotografie präsentierten englischen Texte beschreibt eine Szene, wie sie an einem der vergangenen Wochenenden in der Nähe des Zeughaus­areals vielleicht stattgefunden hat: Eifersucht durchfährt einen jungen Mann, als sein Freund der bayrischen Kellnerin bei der Schnitzel­bestellung den zärtlichen, engelsgleichen Blick schenkt, der sonst nur ihm zukommt. Das bayrische Restaurant als Spielstätte lässt einen schnell ans Oktoberfest denken, besonders wenn im Hintergrund der Kunstkiste Menschen in Trachtenkleidung Richtung Landihalle strömen. Nur Schnitzel gab es keins. Für diese 37. Kunstkiste hat sich Maya Lama Hilfe bei ihrer Kollegin geholt. Elza Sile heisst die Freundin, die in Zürich und Riga lebt und die andere Seite der Kiste bespielt. Augenfällig ist ihre Bastelanleitung, die nach den ersten Schritten abdriftet, zu einer Art Selbstreflexion wird, um am Schluss zurück zum Bastelziel zu kommen. Immer wieder ist die Fliessfähigkeit von Flüssigkeiten Untersuchungsgegenstand von Siles Arbeiten. So könnte man bei dieser manisch anmutenden Bastel-Collage auch Parallelen ziehen zwischen der fehlenden Stringenz der Anleitung, die nur mit Umwegen zum Ziel führt, und dem Kampf einer zähen Flüssigkeit mit der Schwerkraft. Im Selbstbeschrieb der Künstlerinnen, der an einer der geschlossenen Wände der Kunstkiste hängt, beschreiben sie sich als Wohngemeinschaft mit einer dritten Person in einer Einzimmerwohnung in Zürich. Im Sommer wurde das akku-Kunstatelier vom Lot ins Zeughaus versetzt. So kann eine grössere Vernetzung sichergestellt werden, allerdings musste beim Umzug der Bereich des Ateliers geopfert werden, in dem die Stipendiaten wohnen konnten. Wäre das Kunstatelier also nicht ins Zeughaus gezügelt, müsste oder dürfte ­Maya Lama auf die intime Erfahrung einer 3er-WG in einer Einzimmerwohnung verzichten.

Bis 
01.12.2019

Deborah von Wartburg, im Rahmen von CAS ‹Schreiben in Kunst und Kultur›, ZHdK, 2019 → akku Kunstkiste, bis 1.12.
↗ akkuuster.ch

Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Maya Lama, Elza Sille 20.06.201922.06.2019 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Künstler/innen
Maya Lama
Elza Sile
Autor/innen
Deborah von Wartburg

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