Michael Williams

Michael Williams, New Paintings, Galerie Eva Presenhuber, Zürich, 2019. Foto: Stefan Altenburger

Michael Williams, New Paintings, Galerie Eva Presenhuber, Zürich, 2019. Foto: Stefan Altenburger

Hinweis

Michael Williams

Zürich — Die elf ‹New Paintings› von Michael Williams, alle circa zwei Quadratmeter gross, füllen den Raum mit eigenwilligen Farb- und Formenkombinationen. Nach einem schweifenden Blick durch die Räumlichkeiten scheint klar zu sein: Hier handelt es sich um abstrahierende Malerei, in welcher der in Kalifornien lebende Künstler die wunderbar rhythmisierten Bildflächen mit popkulturellen Referenzen auflädt. Die Titel der Bilder lauten beispiels­weise ‹Southwest Computer›, ‹Dead Hippie› oder ‹Marfa’s Vineyard›. Die Protagonisten tragen Sonnenbrillen und scheinen fast alle, ausgenommen der ‹Dead Hippie›, der ­Graffiti- und Hip-Hop-Szene entsprungen zu sein. Dann gibt es aber auch noch den ‹cool macho man in nature›: Hier sitzt ein sportlich gekleideter Mann in einer Landschaft, die durch ihre Komposition einfacher Formen, die Felder und Bäumchen und die kontrastierenden leuch­tenden Farben in Orange, Grünlich, Bräunlich an eine postmoderne Landschaftsmalerei denken lässt. Doch sucht man nach der Textur von Pinselstrichen, nach Glanzstellen, Erhebungen oder Farbstruktur, lässt sich nichts finden. Offenbar handelt es sich nicht um ein Gemälde, sondern um einen Inkjet-Print auf Leinwand. Fünf Bilder entstanden in demselben Verfahren: Ein gemaltes Bild wurde abfotografiert und auf Leinwand gedruckt. Erscheinen einem mit diesem Wissen die Bilder plötzlich etwas blasser, in ihrer Farb­intensität reduziert? Will das Auge nicht wahrhaben, dass die Malerei keinen vorrangigen Anspruch auf leuchtende Farbqualität hat?
Williams spielt seit jeher mit dem Kombinieren und Mischen verschiedener Techniken: Airbrush, Computerzeichnung, Fotografie, Ölmalerei ... In den ‹New Paintings› scheint der Einfluss von Sigmar Polke, der sich ebenfalls mit dem Verhältnis von Fotografie und Malerei auseinandergesetzt hat, präsent. Und im Pressetext zur Ausstellung bei Eva Presenhuber lese ich: «Williams ist neidisch auf die Fotografie, neidisch auf ihre Fähigkeit, einen Gegenstand mit all seinen Bedeutungen darzustellen, ohne sich vorher wie ein Maler durch die vielfältigen und historisch aufgeladenen Schichten arbeiten zu müssen.» Michael Williams’ Werke rufen nochmals die Fragen ins Gedächtnis, die schon Walter Benjamin in ‹Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit› stellte: Wie verändert sich die Rezeption von Kunst durch die Entwicklung der Fotografie? Verliert das Kunstwerk durch seine Reproduktion an Aura? Und wie steht es heute? Verändert sich die soziale Funktion von Malerei im digitalen Zeitalter? Dass die Fotografie und die Malerei nicht nur nebeneinander oder in Konkurrenz zueinander existieren, sondern auch in Verbindung gebracht und in ein und demselben Bild vereint werden können, ist kein neuer, aber spannender Gedanke. Neue Bildsprachen zu kreieren, scheint denn auch das zu sein, was Williams interessiert. Neugierde wecken seine Bilder auf jeden Fall. Sie verführen dazu, sie von weit her zu betrachten und dann wieder ganz nahe heranzutreten, über die Machart zu fachsimpeln, und – last but not least – die kunstgeschichtlichen und popkulturellen Symbole zu entziffern und zu deuten. Die überschaubare Zahl der elf ‹New Paintings› bietet demnach reichlich Stoff für eine visuelle und gedankliche Auseinandersetzung auf diversen Ebenen. 

Bis 
21.12.2019

Eva Vögtli, im Rahmen von CAS ‹Schreiben ­
in Kunst und Kultur›, ZHdK, 2019 → Galerie Eva Presenhuber, bis 21.12. ↗ www.presenhuber.com

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Michael Williams: New Paintings 12.10.201921.12.2019 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Autor/innen
Eva Vögtli
Künstler/innen
Michael Williams

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