Nedko Solakov — Kritzeleien, die das Leben zeichnet

Nedko Solakov ·Arbeitsdoodles, 2019, Detail: A Sun on Vacation, Wandmalerei Amtshaus Helvetiaplatz Zürich, Courtesy Amt für Hochbauten Zürich, Kunst und Bau. Foto: Pietro Mattioli

Nedko Solakov ·Arbeitsdoodles, 2019, Detail: A Sun on Vacation, Wandmalerei Amtshaus Helvetiaplatz Zürich, Courtesy Amt für Hochbauten Zürich, Kunst und Bau. Foto: Pietro Mattioli

Besprechung

Nedko Solakov ist ein scharfer Beobachter. Er kommentiert mit einer präzisen und doch kindlichen Ehrlichkeit die Realität, schreibt Sätze, zeichnet Männchen. Nun offenbaren sich ­seine ‹Arbeitsdoodles› auf mehreren Etagen des neu instand gesetzten Amtshauses Helvetiaplatz der Stadt Zürich.

Nedko Solakov — Kritzeleien, die das Leben zeichnet

Zürich — Ein bärtiger Mann mit wachsamem Blick, der skeptisch die Welt mustert und eine kindliche Neugier erahnen lässt. Regte sich da etwa ein verschmitztes Grinsen unter dem dichten Bart? Sein Gesicht ist vom Leben gezeichnet – und so sind es auch seine Kritzeleien, seine «Doodles», wie der bulgarische Künstler seine skizzenhaften Bildergeschichten auf Scheiben, Türen und Wänden nennt. Während rund drei Monaten entstanden die Zeichnungen im frisch renovierten Amtshaus am Helvetiaplatz im Auftrag der Fachstelle Kunst und Bau des Amts für Hochbauten. Es sind hunderte Figürchen und kurze Sätze, verteilt in der Tiefgarage, im Treppenhaus und in den Büros der Mitarbeitenden. Teilweise sind sie unscheinbar, werden erst bemerkt, wenn man eine Weile vor dem Kopierer zu verharren hat und den Blick schweifen lässt. Teilweise sind sie offensichtlich, als ob die kleinen Prot­agonistinnen und Protagonisten auf einen gewartet hätten. Dabei ging Nedko Solakov (*1957, Tscherwen Brjag) stets auf die Eigenheiten der Architektur ein: auf die Licht-und-Schatten-Spiele, auf die Unebenheiten der Wand, auf die Maserung im Holz. So wird ein schwarzer Striemen auf der weissen Wand zum Spazierweg, eine dunkle Stelle im hellen Holz zum See, auf dem ein Fischerboot schwimmt. Kurze Sätze ergänzen seine Zeichnungen, erzählen Geschichten oder kommentieren: «Believe it (or not): I’m your friend» steht unter einer Überwachungskamera. «Glaube es (oder nicht): Ich bin dein Freund». Nedko Solakov parodiert. Auch den Kunstbetrieb. 2005 stellte er im Kunsthaus Zürich seine ‹Leftovers› aus, seine unverkauften Werke, oder kommentierte 2009 die ausgestellten Exponate im Kunstmuseum St. Gallen. Er malte einen schwarzen Strich neben eines der Schnittbilder von Lucio Fontana, zeichnete einen seiner Protagonisten an die Wand und schrieb darunter: «Kunst? Ja, ja!» Manchmal etwas zynisch, aber keinesfalls verbittert kommentiert Solakov die Welt – so ehrlich, wie es sonst nur ein Kind sein kann. Seine ‹Doodles› schärfen den Blick für das Alltägliche, sodass uns gewohnte Dinge und Orte plötzlich wieder überraschen – auch ihn selbst. «Oh, das hier hatte ich vergessen», sagt Solakov, als er eine seiner Zeichnungen wiederentdeckt. Und da regt es sich wieder, dieses verschmitzte Grinsen. 

→ ‹Nedko Solakov – Arbeitsdoodles›, Amtshaus Helvetiaplatz Zürich, permanente Installation 
www.stadt-zuerich.ch/kunstundbau www.nedkosolakov.net

Autor/innen
Giulia Bernardi
Künstler/innen
Nedko Solakov

Werbung