Senga Nengudi

Senga Nengudi · Performance Piece, 1977, Foto-Triptychon (Detail), Performerin: Maren Hassinger, Städtische Galerie im ­Lenbachhaus und Kunstbau München. Foto: Harmon Outlaw

Senga Nengudi · Performance Piece, 1977, Foto-Triptychon (Detail), Performerin: Maren Hassinger, Städtische Galerie im ­Lenbachhaus und Kunstbau München. Foto: Harmon Outlaw

Senga Nengudi · Inside/Outside, 1977, Nylongewebe, Gummi, Sand, ­Thomas Erben, New York

Senga Nengudi · Inside/Outside, 1977, Nylongewebe, Gummi, Sand, ­Thomas Erben, New York

Hinweis

Senga Nengudi

München — Diese Kunst ist erstaunlich elastisch: Unter dem Titel ‹Typologien› zeigt das Münchner Lenbachhaus derzeit das Werk von Senga Nengudi. Die US-amerikanische Künstlerin (*1943, Chicago) schuf textile Wandinstallationen aus gedehnten Nylonstrümpfen, die einst von einer Tänzerin performativ zum Leben erweckt wurden. Die zerrissenen, teilweise mit Sand gefüllten und verknoteten Strumpfhosen, die aus alten Bettfedern oder zerschnittenen Pneus baumeln, entfalten aber auch in statischem Zustand Objektwitz. Nengudi, die in Los Angeles Bildhauerei und Tanz studierte und später nach Japan und New York ging, verbindet laut Kuratorin Stephanie Weber «das Stete und das Vergängliche»: Für die Ewigkeit war keines ihrer Werke geschaffen, sie sollten vielmehr für den Moment in Bewegung gebracht werden. Die Künstlerin setzte sich mit der Minimal Art auseinander, suchte aber nach einer ganzheitlicheren Ausdrucksform, wollte den Objekten Leben einhauchen. Für die Performances liess sie sich vom japanischen Butoh- und Kabuki-Theater gleichermassen wie von Tanzriten aus Westafrika inspirieren. Dabei wurden die Strümpfe zu filigranen Gespinsten, für die das Material in dünne Streifen geschnitten, gedehnt und gezogen wurde. Am Anfang stehen aber die ‹Water Compositions›: Dazu füllte Nengudi gefärbtes Wasser in transparente Plastikbehälter und drapierte diese über Seile, quasi von der Wand in den Raum fliessend. Fotografien dokumentieren die während ihrer Zeit in New York entstandenen ‹Stoffgeister›, die 1972 an einigen Fassaden von Spanish Harlem im Wind flatterten. Beide Serien sind vom Moment steter Veränderlichkeit geprägt. Seit 1976 entstanden die vielfältigen ‹R.S.V.P.›-Arbeiten (Répondez s’il vous plaît). ­Nengudis künstlerisches Ziel dabei war, dass der Betrachter Installationen wie ‹Hanging on› oder ‹Swing low› ohne Scheu begegnet und den eigenen Körper dazu «theatralisch» in Beziehung setzt. Tatsächlich wirken diese Artefakte bei aller Abstraktheit anthropomorph. Vulva-ähnliche Öffnungen tun sich auf, das Nylon kringelt sich in dünnen Schwänzchen oder hängt schwer wie dralle Brüste herab. Die sexuelle Konnotation der Formen wird von mehrdeutigen Titeln wie ‹Rubber Maid› verstärkt. Die beiden grossen Emanzipationsbewegungen des 20. Jahrhunderts – die der Frauen und der afroamerikanische Kampf für die Bürgerrechte – bilden die Folie für diese vielschichtigen Arbeiten.

Bis 
19.01.2020
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Senga Nengudi 17.09.201919.01.2020 Ausstellung München
Deutschland
DE
Künstler/innen
Senga Nengudi
Autor/innen
Roberta, De Righi

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