Valentin Hauri — St-olpern

Valentin Hauri · Untitled (after Horace Pippin), 2019, Öl auf Leinwand, 130 x 119 cm. Foto: Flurin Bertschinger

Valentin Hauri · Untitled (after Horace Pippin), 2019, Öl auf Leinwand, 130 x 119 cm. Foto: Flurin Bertschinger

Besprechung

Die konzeptuelle Malerei von Valentin Hauri lässt uns in ihrer schlichten Formensprache neue Welten entdecken, indem sie neue Blicke auf Vertrautes evoziert. Dies zeigen eine Reihe von Gemälden und Zeichnungen, die in seiner neuesten Ausstellung ‹Soulmates› in der Galerie Brigitte Weiss zu sehen sind.

Valentin Hauri — St-olpern

Zürich — Es sind Bilder, die viel verlauten lassen und doch wenig verraten. So etwa die Arbeit ‹Untitled›, für die Valentin Hauri (*1954, Baden) ein Raster aus schwarzen Rechtecken auf die Leinwand brachte – vielleicht ein angedeutetes Fenster. Über ­ihnen eine grüne Fläche – vielleicht ein angedeuteter Vorhang. Wird das Fenster verborgen oder wird gelüftet? Wird uns etwas offenbart oder vorenthalten? Die Antwort bleibt aus, was folgt, ist weder ein Ja noch ein Nein. Nur eine Stille, über die wir unweigerlich stolpern, die uns das Bild nicht gleich abhaken lässt, die uns nicht gleich zum nächsten übergehen lässt. «Es ist dieses Stolpern, das mich fasziniert», sagt Valentin Hauri – das der Betrachtenden und der Künstlerinnen und Künstler, auf die er referiert: Oft lässt er sich von Personen inspirieren, die als Aussenseiter galten, die keinen akademischen Hintergrund hatten, die von der Kunstgeschichte vernachlässigt wurden. So etwa von Forrest Bess, Otto Meyer oder Horace Pippin. Ihre Bilder werden zu «Soulmates», zu Seelenverwandten, mit denen der Künstler in Dialog tritt. Manchmal lässt sich ­Hauri von fertigen Kompositionen inspirieren, manchmal von kleinen Details, die seine Aufmerksamkeit erregen. «Ich interessiere mich für die Wiederholung, für den neuen Blick auf etwas Vertrautes.» Es geht ihm um die Bilder, die ein Bild entstehen lassen. «Jeder kann meine Malerei begreifen oder nachahmen», sagt Hauri. «Ich möchte das Vorgehen herunterfahren und Platz für den Augenblick schaffen, in dem sich das Bild formiert.» So überrascht es nicht, dass er in den Neunzigerjahren seine Kunst radikal veränderte; er wendete sich von der traditionellen Malerei ab, vereinheitlichte das malerische Vorgehen. «Ich wusste nicht mehr, was ich da mache. Ich bin einfach nicht weitergekommen.» Dieses Stolpern hat ihn zu etwas Neuem gebracht: Heute malt er im Formatverhältnis 10:9, auf Baumwolle oder Leinen, und alla prima – in nur einem Durchgang, mit nur einer Farbschicht. «Ich greife nur ein, solange die Farbe noch nass ist», sagt er. «Wenn in dem Moment das Bild nicht entsteht, dann entsteht es nie.» Auch hier schwingt das St-olpern, das Moment des Scheiterns mit. Was, wenn es nicht klappt? Diese Bedenken hat er nicht: Denn es ist genau dieses Stolpern, dieses mögliche Scheitern, das Neues entstehen lässt.

Bis 
21.12.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Valentin Hauri 26.10.201921.12.2019 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Autor/innen
Giulia Bernardi
Künstler/innen
Valentin Hauri

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