Vehlandschaften — Ein Talmuseum öffnet sich

Agatha Zobrist · Rosinenpicker, 2019, Porzellan bemalt (in der Vitrine); Ursula Palla, Waldwiese, 2018, Wandobjekt Bronze; Klodin Erb, Memory, 2019; vier Doppelknauftöpfe zum Blaufärben von Wolle und Garn aus der Lötscher-Manufaktur, Blick ins Talmuseum St. Antönien. Foto: Ralph Feiner

Agatha Zobrist · Rosinenpicker, 2019, Porzellan bemalt (in der Vitrine); Ursula Palla, Waldwiese, 2018, Wandobjekt Bronze; Klodin Erb, Memory, 2019; vier Doppelknauftöpfe zum Blaufärben von Wolle und Garn aus der Lötscher-Manufaktur, Blick ins Talmuseum St. Antönien. Foto: Ralph Feiner

Andres Lutz · Alte Blumen, 2018/19, Holz, Leim, Acryl- und Kunstharzfarben; Klodin Erb · Memory, 2019, Tempera und Kunstharzlack auf Leinwand, 24 x 18 cm bis 30 x 30 cm; Hans Krüsi · o. T., o. D., ­bemalte Tetrapack; Kinderstall mit «Beinechüe», Blick ins Talmuseum St. Antönien. Foto: Ralph Feiner

Andres Lutz · Alte Blumen, 2018/19, Holz, Leim, Acryl- und Kunstharzfarben; Klodin Erb · Memory, 2019, Tempera und Kunstharzlack auf Leinwand, 24 x 18 cm bis 30 x 30 cm; Hans Krüsi · o. T., o. D., ­bemalte Tetrapack; Kinderstall mit «Beinechüe», Blick ins Talmuseum St. Antönien. Foto: Ralph Feiner

Besprechung

An der Türe sind die Exponate angekündigt: «Der Höhlenbär. Die Lötschertöpferei. Allergattig aus Haus und Hof. Die Kulturgruppe St. Antönien wünscht viel Vergnügen.» Doch zurzeit ist im ehe­maligen Postchäller mehr drin, als draufsteht. Das Talmuseum wurde ausgeräumt, die ‹Vehlandschaften› sind eingezogen.

Vehlandschaften — Ein Talmuseum öffnet sich

St. Antönien — «Haben Hasen Röhrlihaare?» «Wohin mit Fuchsfellen?» Im winzigen Foyer des Talmuseums herrscht Stau, zwei Einheimische diskutieren. Und vor dem Eingang steuert eine Gruppe Jodler auf das Hotel Rätia zu. Doch bevor wir uns vollends vom Lokalkolorit einnehmen lassen, spricht uns die Aufsicht an. Ja, das ­Museum gibt es schon seit 25 Jahren, doch jetzt haben sie auf Initiative der Zürcherin Gabriele Lutz, der Kuratorin der Sonderschau ‹Vehlandschaften›, den Spannteppich rausgerissen, einen neuen Steinboden verlegt und Platz für zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler geschaffen. Nur die Bärenknochen von der Sulzfluh, einige Holzgeräte, Kinderspielsachen – der Stall mit den «Beinechüe» – und vor allem die lokal gefertigte Lötscher-Keramik durften bleiben. Darunter auch – die Aufsicht weist auf eine Plexi­haube – «unsere heilige Kuh», die vormals stolze Krönung einens Lötscher-Ofens. Kühen begegneten wir bereits am Eingang in einem Drehständer mit Postkarten von Hans Danuser. Sie zeigen die Alpweiden rundum, doch nicht vom gewohnten Himmelblau überstrahlt. Stattdessen legen sich Nebelschleier wie Weichzeichner über die Wiesen und das Vieh. Durch alle Räume verteilt, den Dimensionen des ­Museums angepasst, hängen zudem die kleinformatigen Gemälde von Emil Gut. Auch diese spiegeln die Gegend ums Dorf, allerdings setzt er mal einen Kachelofen, mal einen Schmalztopf oder einen Esel mit Traggestell zum Auswerfen von Kuhmist in die grünen Hügel. Der enge Bezug zum Ort ist Programm: Die meisten der 13 Beteiligten leben in der Gegend oder halten sich regelmässig hier auf. So auch Klodin Erb. Ihre hochglänzend lackierten Miniaturen evozieren Ofenkacheln. Aus fliessenden Formen lässt sie Motive wie ein Trachtentäschchen, einen Brautschmuck, ein Holzpferd gerinnen – Handgemachtes aus Heim und Hof, das wir in einer Truhe oder einer Fensternische wiederentdecken. Auf der Fensterbank bringt Andres Lutz aus bunt bemalten Hölzchen und einem Beet aus blauem Styropor einen eigensinnigen Blumen­garten zum Spriessen, während Gerber & Bardill in einer dunklen Gewölbeecke ein sogenanntes Schreibschloss – ein Keramikgeschirr für Feder, Tintenfass und Taschenuhr – mit einer Projektion und Tonspur zu einem irrlichternden Spuk erwecken. Die Jodler haben sich bereits umgezogen und werden am Abend die Turnhalle zum Beben bringen – die Hände in den Hosentaschen. Geschickte Hände sind wichtig, wie die Objekte im Talmuseum belegen, doch ein langer Atem ebenso.

Bis 
20.06.2020

→ ‹Vehlandschaften›, Talmuseum St. Antönien, bis Juni; Lesung von Arno Camenisch, Schulhaus St. Antönien, 20.06.20, 20.30 Uhr; kleine, feine Publikation im Vexer Verlag ↗ www.vehlandschaften.ch

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Talmuseum Schweiz St. Antönien
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Veh Landschaften 16.06.201920.06.2020 Ausstellung St. Antönien
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