Imagine

Gary Night · Sophary Sophin, Bomben­entschärferin, 2017

Gary Night · Sophary Sophin, Bomben­entschärferin, 2017

Hinweis

Imagine

Genf — Seit dem 1. Juli 2019 steht das Musée international de la Croix-Rouge (MICR) unter der Leitung von Pascal Hufschmid. Zuvor für das Musée de l’Elysée in Lausanne tätig, hat der neue Direktor ein weitgespanntes Netzwerk aus der Fotowelt mitgebracht. In der Ausstellung ‹Imagine› wird dies nun auch nach aussen erfahrbar. Mit ihr präsentiert das MICR nämlich in Kooperation mit der 2001 von den Fotografen Gary Knight und Ron Haviv gegründeten New Yorker VII Foundation (VIIF) eine bewegende Fotoschau über Kriegsgebiete gestern und heute. Zugegeben, man könnte auch nur die dicke, in vielsagendes Rot gebundene Publikation zur Hand nehmen und sich dort in die Bilder und profunden Essays vertiefen. Ebenso könnte man nur die ebenfalls grosszügig mit Bild und Text bestückte Projektwebsite der VIIF aufrufen. Schliesslich geht es in dieser Ausstellungtournee nicht um die Aura von Vintageprints. Dennoch ist kaum ein passenderer Ort zu denken, um die Bilder im Grossformat und im Wechsel von Schwarzweiss und Farbe (oder umgekehrt) auf sich wirken zu lassen. In engster Nachbarschaft zu Kernbeständen des MICR wie der immensen, Abermillionen Einträge umfassenden Kartei der Internationalen Zentralstelle für Kriegsgefangene aus dem Ersten Weltkrieg oder den Polaroidfotos, die das IKRK 1994 nach dem Genozid in Ruanda von Kindern anfertigte, um die Suche nach ihren Familien zu erleichtern, entwickeln sie vollste Kraft. Reflections on Peace. Penser la Paix. So lautet die Ansage und sie macht klar, dass es für einmal nicht primär um Bilder vom Krieg geht, sondern um den zähen Prozess, aus dem Dunkel der Geschichte herauszufinden. Und um den noch schwierigeren Akt des Verzeihens. Durch sechs Sektionen nimmt uns die Ausstellung mit, und dies im doppelten Wortsinn. Libanon (Don McCullin, Nichole Sobecki), Kambodscha (Roland Neveu, Gary Knight), Kolumbien (Stephen Ferry), Bosnien (Ron Haviv), Ruanda (Jack Picone), Nordirland (Gilles Peress): Zu jedem der leidvollen Konflikte fügen sich ältere und jüngere Aufnahmen zu Wahrheiten jenseits der Newsfeeds. Dabei gilt: So berüchtigt die Schauplätze, so renommiert die Akteure. Allein Gilles Peress, der auch für seine aufwühlende Arbeit in Iran, Bosnien und Ruanda bekannt ist, hätte weite Teile quasi solo bestücken können. Desgleichen Don McCullin, dessen fotografischer Kampf gegen humanitäre Katastrophen nun schon sechs Jahrzehnte währt. So stellt sich leise auch die Frage nach der Auswahl. Allerdings ist sie müssig. Zu zahlreich sind die Krisen, zu brüchig allzu oft das Danach. Dies allein gibt zu denken. Der Blick auf die Friedensnobelmedaille, die Rotkreuz-Gründer Henry Dunant 1901 als Erster erhielt, wie auch der partizipative Twist über Yoko Onos ‹Wish Tree› sind da nur noch verklammernde Zugaben.

Bis 
10.01.2021

→ Musée international de la Croix-Rouge et du Croissant-Rouge, bis 10.1.
www.redcrossmuseum.ch
www.reflectionsonpeace.org

Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Imagine. Réflexions sur la paix 16.09.202010.01.2021 Ausstellung Genève
Schweiz
CH
Künstler/innen
Ron Haviv
Don McCullin
Gilles Peress
Autor/innen
Astrid Näff

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