Isa Genzken — Kühle Sinnlichkeit

Isa Genzken · Ausstellungsansicht Kunstmuseum Basel | Gegenwart © ProLitteris. Foto: Julian Salinas

Isa Genzken · Ausstellungsansicht Kunstmuseum Basel | Gegenwart © ProLitteris. Foto: Julian Salinas

Isa Genzken · Jülich, 1979, Lack auf Holz, 20 x 25 x 480 cm, Privatsammlung © ProLitteris. Foto: Neues Museum Nürnberg

Isa Genzken · Jülich, 1979, Lack auf Holz, 20 x 25 x 480 cm, Privatsammlung © ProLitteris. Foto: Neues Museum Nürnberg

Besprechung

Isa Genzken gehört zu den eigenwilligsten Objektkünstlerinnen. In rund 50 Jahren hat sie ein Werk erschaffen, das sich durch immer neue, überraschende Umbrüche auszeichnet. Das Kunstmuseum Basel fokussiert erstmals auf die bedeutende Frühphase und zeigt, wie sie Konzept und Subjektives verbindet.

Isa Genzken — Kühle Sinnlichkeit

Basel — Zunächst wirken die rund 80 Skulpturen, Künstlerbücher, Projekte und Zeichnungen von Isa Genzken (*1948) eher distanziert. In der Annäherung erschliessen sich die stringente Logik und die reiche emotionale Welt. Im Neubau des Kunstmusems ­Basel wird das Frühwerk in einen zeitlichen und thematischen Kontext mit Werken aus der hauseigenen Sammlung gebettet und so Genzkens subjektiv geprägter Ansatz unterstrichen. Ihre 120-teilige Gouache-Malerei, basierend auf fünf Grautönen und einem Quadratraster, trägt die Spuren ihrer Hand und kontrastiert mit Carl Andrés Boden­arbeit ‹10 x 10 Altstadt Square›. An Genzkens performatives Wirken erinnern der Film ‹Zwei Frauen im Gefecht›, 1974, und ein Werk von Bruce Nauman: Dessen ‹Instructions for a Mental Exercise› hatte Genzken als Performance 1974 aufgenommen. Das Hyperboloid ‹Meister Gerhard› erinnert derweil daran, dass einige der hier gezeigten vieldeutigen Arbeiten noch zu Genzkens Studienzeit in Düsseldorf entstanden: Der Titel lässt nicht nur an ihren damaligen Lehrmeister und späteren Ehemann Gerhard Richter denken, sondern auch an den ersten Dombaumeister des Kölner Doms Gerhardus.
Im Haus Gegenwart finden sich unter anderem fotografische Dokumente, die von Genzkens Affinität zu den USA und zur Architektur erzählen, ein Projekt für den Bahnhof Duisburg und Skulpturen am Übergang zu einer neuen Schaffensphase. ­Eine Handskizze zeigt ein Hyperboloid ganz anderer Art: Ein Diabolospieler balanciert seinen Penis – ein Kommentar zur damals männlich dominierten Kunstszene? Mehrere der ikonischen Ellipsoide durchqueren äusserst elegant den Raum. Nur an einem Punkt auf dem Boden aufliegend, scheinen sie zu schweben. Alle sind durch subtile mathematische Berechnung mit Hilfe eines Computers entstanden. Die zeitgleichen Drucke mit charakteristischer Randperforation sind teils autonome Werke und belegen, dass die Künstlerin als eine der ersten den Computer – damals raumfüllende Geräte an der Uni Köln – in ihre Werkgenese mit einbezog. Ihre Faszination für neueste Technik manifestiert sich auch in der Werkgruppe ‹HiFi›: Abfotografierte Werbeaufnahmen aus internationalen Magazinen nehmen die Appropriation Art voraus. Mit der ausgestellten Panasonic-Radioanlage hörte Genzken in ihrem Atelier Sendungen aus aller Welt. Diesem ‹Weltempfänger› folgten unter gleichem Titel mehrere kubische Betonobjekte mit Antennen. Hier verdichten sich Charakteristika der Künstlerin – ihre Neugierde, Wandelbarkeit und Offenheit für Neues.

Bis 
24.01.2021
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Isa Genzken. Werke von 1973-1983 05.09.202024.01.2021 Ausstellung Basel
Schweiz
CH
Künstler/innen
Isa Genzken
Autor/innen
Iris Kretzschmar

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