Mäddel Fuchs

Mäddel Fuchs · Der Fotograf in seiner Ausstellung im Appenzeller Brauchtumsmuseum Urnäsch, Aufnahmen von1975–2020, Thema Viehschau. Foto Wälti Frick

Mäddel Fuchs · Der Fotograf in seiner Ausstellung im Appenzeller Brauchtumsmuseum Urnäsch, Aufnahmen von1975–2020, Thema Viehschau. Foto Wälti Frick

Mäddel Fuchs · mystisch, Ausstellungsansicht im Appenzeller Brauchtumsmuseum Urnäsch, Aufnahmen von 1975–2020, Thema ­Silvesterchläuse. Foto Wälti Frick

Mäddel Fuchs · mystisch, Ausstellungsansicht im Appenzeller Brauchtumsmuseum Urnäsch, Aufnahmen von 1975–2020, Thema ­Silvesterchläuse. Foto Wälti Frick

Hinweis

Mäddel Fuchs

Urnäsch — Schemenhaft tauchen sie aus dem Nebel auf, Schattengestalten auf dem Weg zu einem abgelegenen Hof; auf den Köpfen die grossen Hauben, deren filigran gearbeitete Dioramen ganze Dorfgeschichten erzählen. Diese Gestalten erweisen sich bei näherem Hinsehen als eine Gruppe (Schuppel) Urnäscher Silvesterchläuse, die nach dem Julianischen Kalender am 13. Januar früh am Morgen losziehen und der Bevölkerung ein gutes Neujahr wünschen. Mäddel Fuchs (*1951, Zürich) macht die Bilder dazu, und er tut dies mit Bedacht, und mit der gebotenen Sorgfalt in der Dunkelkammer. Der Rhythmus des Lebens ist langsamer als in der Stadt, das Auge darf auf Details ruhen. Intime Momente sind erfasst; Eine Viehschau wird lebendig, ein Haus klebt inmitten saftiger Weiden am Hang, das Licht spielt am Himmel zwischen Wolken. Im Herbst kommen die Sennen in prächtigen Abfahrten von den Alpen, das Grossvieh festlich geschmückt, die charakteristischen weissen Appenzeller Ziegen keck vorauslaufend. In den Bildern öffnet sich die jüngere Vergangenheit, und man wird gewahr, wie viel in nur einer Generation verloren gehen kann, wird Bestehendem nicht Sorge getragen.
Fuchs’ genauer Blick begleitet auch ein spezielles Appenzeller Brauchtum: In den ungeraden Jahren wird das Bloch in einem kleinen, von Herolden angeführten Umzug auf einem Pferdewagen nach Urnäsch oder Herisau gebracht. «Bloch» steht für einen Baumstumpf, den früher die Holzer nach getaner Arbeit im Wald geschenkt erhielten und am Ende der Fahrt versteigerten. Der Erlös war ihr Lohn. Im verwinkelten Teil des alten Hauses ist auf zwei Stockwerken die Dauerausstellung untergebracht. Enge, steile Stiegen und niedere Türstöcke mahnen zur Vorsicht, sie sind beste Entschleuniger. Filigraner, nur mit der Lupe wirklich erkennbarer Schmuck, fein geklöppelte Spitzen, verschiedene Gewänder und Werkzeuge und Möbel geben Einblick in Leben und Brauchtum der letzten Jahrhunderte. Herausragend sind die 148 geschnitzten Kühe, alle gleich gross und mit schönem Horn, aber aus 148 verschiedenen Holzsorten gefertigt. Sie stammen aus der Werkstatt des Ehepaars Heinrich und Anna Müller, dem «Chuelischnitzer Müller vo de Tell», die plastisch zeigen, was Mäddel Fuchs abbildet. Sie geben uns heute mit so charakteristischen Figuren wie dem Tröcklichrömer Zeugnis alter Berufe. – Im Museum ist ein kleines Bistro integriert, ein Angebot an Souvenirs rundet den angenehmen Aufenthalt in Urnäsch ab.

Bis 
17.01.2021
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
mystisch – Fotografien von Mäddel Fuchs 08.06.202017.01.2021 Ausstellung Urnäsch
Schweiz
CH
Künstler/innen
Mäddel Fuchs
Autor/innen
Thomas Schlup

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