Nathalie Bissig

Nathalie Bissig · Ich ging und sah, 2020, Ausstellungsansicht Nidwaldner Museum © ProLitteris. Foto: CH

Nathalie Bissig · Ich ging und sah, 2020, Ausstellungsansicht Nidwaldner Museum © ProLitteris. Foto: CH

Nathalie Bissig · Ausstellungsansicht Nidwaldner Museum, 2020 © ProLitteris. Foto: CH

Nathalie Bissig · Ausstellungsansicht Nidwaldner Museum, 2020 © ProLitteris. Foto: CH

Hinweis

Nathalie Bissig

Stans — Die Urnerin Nathalie Bissig (*1981) beschäftigt sich in Fotografie, Zeichnung, Objektkunst und Performance schwergewichtig mit ihrem Lebensraum oder ähnlichen Räumen. Sie baut Wahrnehmungsschichten auf und findet so zu Bildern ihrer eigenen Welt. Erstmals zeigt sie im Nidwaldner Museum einen Überblick über ihre Arbeit ab 1999. Damals entstand eine Serie von Fotos, die Bissig aus dem Fenster ihrer Wohnung in die Urner Landschaft aufnahm. Da ist nichts von Bergler-Mythen und anderen Urner Klischees: Wir blicken auf ein nach mondernsten landwirtschaftlichen Methoden genutztes Feld, das in der Ferne in schroffer Direktheit an steil aufragende Felswände stösst. 2010 fotografierte sie die Hausfasnacht in Unterschächen und damit lokales Brauchtum. Auch da ist nichts Archaisierendes, sondern lebendige Zeitgenossenschaft. Ihr grosses Projekt ‹Kaum einer wird sich noch erinnern›, 2019, greift auf Karl Itens Buch ‹Uri damals: Photographien und Zeitdokumente 1855–1925› von 1984 zurück. Bissig nahm sich aus den vielen Aufnahmen jene vor, die sie emotional am stärksten trafen, und übersetzte deren oft maskenhafte Bildsprache in die Gegenwart ihrer eigenen Objektkunst – in aus Textilien gefertigte Masken oder Puppen. Die anrührende Aufnahme einer aufgebahrten Toten korrespondiert mit einer Bild gewordenen Vorstellung der Künstlerin, das Foto des letzten Urner mausarmen Feldmausers mit Bissigs Neuschöpfung einer Puppe. Die Publikation im Zeitungsformat, Bestandteil des Projekts, erreichte als Beilage zum ‹Urner Wochenblatt› 12’000 Haushalte und damit eine ähnliche Verbreitung wie vor 36 Jahren Itens Buch, das die Firma Dätwyler in ganz Uri verteilen liess. Im Projekt ‹Dall’Alto›, Verzascatal, ab 2016, setzt Bissig ihre Maskenobjekte spontan und wie zufällig in wild-chaotische Natursituationen, als wolle sie so dem Geheimnisvollen archaischer Landschaftsvorstellungen nachspüren. Ebenso spontan wirken auch ihre Zeichnungen, deren Strich unmittelbar aus Körperbewusstsein und -bewegungen aufs Blatt fliessen.
Nathalie Bissig gibt in offener Präsentation Einblick in ihre persönliche Beziehung zur Welt ihrer Herkunft und bietet ein freies Feld an Interpretationsmöglichkeiten. Sie sagt selber, sie habe Eduard Renners Buch ‹Goldener Ring über Uri›, 1942, nicht gelesen. Das Buch galt während Generationen als Kultbuch urnerischer Lebens- und Denkungsart und als «Bibel» für Ritual, Animismus und Religion im Leben des Gebirglervolkes. Eine Bildungslücke also? Im Gegenteil, denn die Sicht des Arztes Renner hätte sich wohl wie ein dunkler Schatten über Bissigs persönliche Wahrnehmung des eigenen Lebensraums gelegt. 

Bis 
07.02.2021
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Nathalie Bissig – Gebt her eure Äuglein 31.10.202007.02.2021 Ausstellung Stans
Schweiz
CH
Künstler/innen
Nathalie Bissig
Autor/innen
Niklaus Oberholzer

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