Sandra Boeschenstein

Sandra Boeschenstein · Sonne und nicht Sonne, 2020, Wandzeichnung; Bleistift, Tusche, Öl­farbe, Faden, Nadeln, Gummi, Papier, Zitronen und Turnschuhe. Foto: Gianni Paravicini

Sandra Boeschenstein · Sonne und nicht Sonne, 2020, Wandzeichnung; Bleistift, Tusche, Öl­farbe, Faden, Nadeln, Gummi, Papier, Zitronen und Turnschuhe. Foto: Gianni Paravicini

Sandra Boeschenstein · Sonne und nicht Sonne, 2020, Wandzeichnung; Bleistift, Tusche, Öl­farbe, Faden, Nadeln, Gummi, Papier, Zitronen und Turnschuhe. Foto: Gianni Paravicini

Sandra Boeschenstein · Sonne und nicht Sonne, 2020, Wandzeichnung; Bleistift, Tusche, Öl­farbe, Faden, Nadeln, Gummi, Papier, Zitronen und Turnschuhe. Foto: Gianni Paravicini

Hinweis

Sandra Boeschenstein

Luzern — «Zeichnung ist eine zarte und vehemente Behauptung. Behauptung als Frage» – so Sandra Boeschenstein (*1967 Zürich). Was sie vor einigen Jahren schrieb, hat auch Geltung für die Ausstellung in der Galerie Periferia in Luzern. «Zart» ist der Charakter der zeichnerischen Arbeiten. «Vehement» sind sie in ihrer Präzision und der Hartnäckigkeit, mit der Boeschenstein ihre künstlerische Praxis vorantreibt – in ganz verschiedene Richtungen und mit Überlagerungen, die den komplexen Kosmos ihres Denkens erschliessen. Es gibt da «klassische» Zeichnungen, aber auch Stempeldrucke, eine Art Monotypien, Objekte wie Wassergläser, Turnschuhe oder Zitronen und im Raum gespannte Fäden als Verbindungslinien von einem Blatt zu den realen Objekten. Auch auf einzelnen Blättern überschneiden sich unterschiedliche Stossrichtungen: Klar identifizierbare Figuren oder Gegenstände – hier eine Frau, dort ein Feldstecher – , Abdrucke von Körperpartien der Künstlerin, real strukturierte Räume. Boeschenstein arbeitet nicht nach Plan. Sie sieht, wenn sie beginnt, das Ende nicht. Sie lässt vielmehr geschehen, was sich an Interferenzen und Schwingungen zwischen den Elementen ergibt. Ein Beispiel: Wir sehen zweimal den Abdruck ihres nackten Torsos und stellen uns vor, wie sie sich auf das auf dem Boden ausgelegte Blatt presst und ihren Körper als Instrument der Zeichnung einsetzt. Auf einem Blatt setzt sie kleine Sessellift-Gondeln auf ihren Körper, dessen Hautporen, Falten und Haare uns an eine Berglandschaft denken lassen – ein Bild mit absurd-komischer Note. Auf dem zweiten Blatt spannt sich der Riemen einer in die Ferne gerichteten Fotokamera über den Torso, was auf zwei gegensätzliche Strategien der Bildschöpfung verweist: Der Körperabdruck ist eine archaische, direkte, aber auch eine tief in die Intimität der körperlichen Befindlichkeit weisende Bildpraxis, die Kamera hingegen steht für eine höchst entwickelte Technik der Wirklichkeitswiedergabe. Formales, Inhaltliches, Bildvorstellungen, Sensibilitäten überlagern sich zu einem Knäuel, den zu entwirren Zeit erfordert – und Spass bereitet. Was Sandra Boeschenstein in der Galerie ausbreitet – neben raumbezogenen Installationen auch eine ganz Reihe von Blättern, die in der Publikation ‹Palimpsest› (Editioni Periferia) erscheint –, steht für heutige Informationspraxis und -erfahrung und für die aus vielen Richtungen auf uns einprasselnden und schwer einzuordnenden Informationen. Allerdings belässt es die Künstlerin nicht bei diesem doch recht hektischen Sachverhalt. Vielmehr schafft sie mit ihrer Installation Ruhe und spielerische Leichtigkeit – und damit auch Raum für die «Behauptung als Frage». 

Bis 
12.12.2020
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Sandra Boeschenstein 07.11.202012.12.2020 Ausstellung Luzern
Schweiz
CH
Künstler/innen
Sandra Boeschenstein
Autor/innen
Niklaus Oberholzer

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