«go Johnny go»

«On Stage», 2000, flexibles Triptychon, Öl hinter Glas, je 240 x 180 cm, Palazzo Ferretto, Genua

«On Stage», 2000, flexibles Triptychon, Öl hinter Glas, je 240 x 180 cm, Palazzo Ferretto, Genua

«Holes & Highways», 2001, Computer, Monitor, Teppich, Wandzeichnung, Projektraum Wilfried von Gunten, Thun; Fotos: Christian Helmle

«Holes & Highways», 2001, Computer, Monitor, Teppich, Wandzeichnung, Projektraum Wilfried von Gunten, Thun; Fotos: Christian Helmle

Fokus

Seit den neunziger Jahren reflektiert Dominik Stauch (*1962) das Dilemma postmoderner Desillusionierung, indem er konkrete Malerei und Popkultur auf ebenso poetische wie analytische Weise interagieren lässt. Ein Augenschein im Vorfeld zur Ausstellung in der Galerie Bischoff in Thun.

«go Johnny go»

Dominik Stauch – Zwischen cooler Bildästhetik und heissen Rock-Klängen

Er schneidet kreisrunde Löcher in Teppiche, hantiert mit Klebeband im Raum, mit Glasplatten, Farbe, Text, Sound und Computer und bezeichnet sich dennoch als Maler. Mit irritierender Selbstverständlichkeit situiert sich Dominik Stauch innerhalb widersprüchlicher historischer Positionen. Seine formalen und farbtheoretischen Referenzen liegen im Bereich der de Stijl Bewegung und der konkreten Kunst, allerdings ohne deren soziale Utopien und ideologischen Prämissen. Die Verbindung von Kunst und Leben bleibt für den Künstler als Option jedoch weiterhin aktuell. Da sind aber auch Stauchs Affinitäten zu Rock, Pop und populären Mythen, die nicht zu übersehen und kaum zu überhören sind. Form- und Farbsysteme gehören zum klassischen Repertoir konkreter Kunst. Dominik Stauch wählt einzelne Konfigurationen aus seinen computergenerierten Malereiprogrammen. Er malt sie auf grosse Glasplatten, die, im Raum installiert, mit ihren Spiegelungen und Durchblicken Realität und Illusion subtil verschränken. Oder er geht direkt ins World Wide Web, wo erst der Mausklick das ästhetische Potenzial eines Programms sukzessiv enthüllt. Halluzinatorisch-suggestiv entfaltet sich hier die abstrakte Schönheit selbstreferenzieller Malerei – durch die Untermalung mit scherbelnden Rock-Rhythmen emotional kommentiert und auf das Subjektive hin transzendiert.

Endlosschlaufen  Der Monitorschirm wird bei Dominik Stauch zum magisch-meditativen Ort, wenn er komplementärfarbene Rechtecke in Endlos-Drehbewegung versetzt und die betörende Klarheit geometrischer Formen und systematischer Farbgesetze mit einfachen Gitarrenriffs begleitet. Durch die Verwendung des Loop, der perfekten Wiederholung als Stillstand in Bewegung, öffnen die computergenerierten Videoarbeiten äusserst produktive Imaginations- und Reflexionsräume. In diesen tummeln sich, evoziert durch Titel wie «Great Planes», «Tracking a Twelve Pointed Star» und «Made to Measure» (eine Anspielung auf Malewitsch), nebst den Heroen der Avantgarde auch die einstigen Helden des wilden Westens. Die Brüchigkeit der Begleitsounds wirkt sich dabei System zersetzend, verzaubernd und suggestiv aus: Sie enthüllt die Verführungskraft moderner Mythen und lässt uns dennoch
weiter träumen.

Erzählräume  In überzeugender Form hat sich Dominik Stauch über die konkreten Prinzipien und Utopien hinaus Erzählräume erschlossen, die von individuellen Sehnsüchten und Enttäuschungen handeln und Nostalgie und leise Selbst-Ironie nicht ausschliessen. Das gilt auch für die raumbezogenen Arbeiten, bei denen Malerei, neue Medien, Möbel, Teppiche, Musik und Text ebenso komplexe wie poetische Verweissysteme bilden. Stauch lässt rationale Malereikonzepte mit Popmusik und Heldenmythen äusserst präzise interagieren. Mit Augenzwinkern und analytischem Scharfsinn lotet er deren – künstlerisches – Potential jenseits ideologischer Prämissen neu aus und versetzt uns dabei in einen Zustand «aufgeklärter Romantiker.»

Autor/innen
Elisabeth Gerber
Künstler/innen
Dominik Stauch

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