Eva Rothschild in der Kunsthalle

Eva Rothschild, Hot House, 2003, Leder, Holz, Draht, 240 x 50 cm
Courtesy Modern Art, London

Eva Rothschild, Hot House, 2003, Leder, Holz, Draht, 240 x 50 cm
Courtesy Modern Art, London

Besprechung

Eva Rothschild konsumiert Kunst, macht Konzeptkunst mit Objekten, die bereits mit Konzepten aufgeladen sind. Sie spielt mit Elementen des Minimalismus, webt aus Vorlagen Wandbilder, bezieht esoterische Symbole der New Age Bewegung mit ein. Was Wunder, dass da die Objekte, Skulpturen und Wandbilder hybrid daherkommen.

Eva Rothschild in der Kunsthalle

Formal beziehen sich die Objekte der in London lebenden Irin Eva Rothschild (*1972) auf Figuratives, auf geometrische Strukturen und auf schamanistische Kultobjekte. Mit Vorliebe unterwandert sie die Insignien der Moderne, indem sie diese emotional auflädt und mit einer Aura von spiritualisierter Ästhetik umgibt. Zum Beispiel erinnert ein am Boden liegender Autoreifen, der in seinem Hohlraum mit Räucherstäbchen angefüllt ist, an eine minimalistische Kreisskulptur, aber auch an ein Protestobjekt der Strassengegenkultur, während der süsslich-hölzerne Geschmack einen Zusammenhang mit esoterischen Ritualen nahelegt. Ein dreidimensionales schwarzes Plexiglasobjekt aus Dreiecksformen gebärdet sich als minimalistische Skulptur, trägt den coolen Glanz eines Designerstücks zur Schau und lässt von einem Wigwam träumen. Dagegen atmen die geflochtenen Wandbilder mit den bekannten Insignien der Gegenkultur den Geist der siebziger Jahre. Interessant ist hier wie auch bei den geometrischen Skulpturen die Wendung ins Dreidimensionale. Dieser Effekt wird dadurch erzeugt, dass zwei flache Vorlagenbilder ineinander verwoben sind. Geradezu einen Assoziationsschwall mit Subkulturthemen löst das hängende Objekt «Hot House» aus. Es besteht aus einem Garderobeständer, an dem hutähnliche Gebilde mit langen, farbigen Lederfransen hängen. Denkt man zunächst an hängende Pflanzen, erinnert es beim zweiten Blick eher an ein Fetischobjekt aus der Schwulenkultur oder an ein rituelles Kunstprodukt aus Jäger- und Sammlerkulturen.

Der Stoff aus dem die Projektionen von Wünschen und Wunschwelten auf Konsumobjekte sind, bildet das Alltagsgeschäft jeder Werbeagentur. Diesem Fluidum ist auch Eva Rothschild auf der Spur, indem sie das Unerklärliche, das vertrauten Dingen anhaftet, sichtbar machen will. In diesem Zusammenhang spricht sie von der «transference of spirituality onto objects». Die Verwandlung ihrer Arbeiten, die einem tradierten Skulpturenbegriff folgen, in emotional aufgeladene, fetischisierte und zum Teil unheimliche Objekte, bringt sie in die Nähe von jüngeren englischen und schottischen Künstlern wie Jim Lambie oder Martin Boyce aber auch von Schweizer Künstlerinnen wie Nicoletta West oder Maya Rickli. So kombiniert Jim Lambie Alltagsgegenstände zu magisch-verspielten Objekten und lädt sie energetisch auf. Martin Boyce konstruiert Designstücke als Sinnbilder eines urbanen Lifestyles und kontrastiert sie mit den unangenehmen Seiten gegenwärtiger Lebensumstände. Währenddem sprechen die Objekte von Eva Rothschild von einem Doppelleben: geschöpft aus einem kunsthistorischen Fundus, mal industriell produziert, mal in aufwändiger Arbeit handwerklich hergestellt, beschwören sie dank ihrer Hybridisierung unbewusste Energien und Seinsweisen. Katalog in Vorbereitung.

Bis 
20.03.2004
Autor/innen
Dominique von Burg
Künstler/innen
Eva Rothschild

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