Filiale und Schalter

Silvia Buonvicini, Holzweg, 2004, Filiale Basel

Silvia Buonvicini, Holzweg, 2004, Filiale Basel

Besprechung

In Basel eröffnen gleich zwei neue temporäre Ausstellungsräume, die sich überwiegend jungen Tendenzen widmen.

Filiale und Schalter

Es ist Zufall, dass in unmittelbarer Nachbarschaft am Claragraben 131 und 135 in Basel zwei unabhängige Ausstellungsräume auf sich aufmerksam machen. «Filiale» nennt sich der eine, «Schalter» der andere. In einem alten Gewerbegebäude mit drei Räumen organisiert das Filiale-Team, der Künstler Eric Hattan und die angehenden Kunsthistorikerinnen Noëlle Pia und Maja Wismer, parallel kleinere und grössere Ausstellungen. Aus Budgetgründen konzentrieren sie sich bei ihrer Auswahl auf die Deutsch- und Westschweiz ohne das angrenzende Deutschland und Frankreich zu ignorieren. Dabei wollen sie unabhängig und subjektiv installative Einzelausstellungen und Gegenüberstellungen sowie einen Diskurs mit dem Publikum ermöglichen.

Bereits in den achtziger und neunziger Jahren haben Eric Hattan und Freunde an verschiedenen Adressen unter dem Namen Filiale Ausstellungen mit weit über hundert KünstlerInnen durchgeführt. Nun tut er es wieder, auch um die Kunstszene Basels mit neuen Impulsen zu bereichern. Zu wenig sei die Idee kopiert worden, bedauert er. In der Garage im Erdgeschoss findet vorerst ein Garagesale statt, der das Projekt finanzieren soll. Integriert finden sich an die zwanzig Videobänder verschiedener KünstlerInnen. Im Salon hat Silvia Buonvicini mit einem Brenngerät dem vorhandenen alten Spannteppich ihre poetische, stark riechende Arbeit «Holzweg» eingeschrieben. Im Zimmer sind in wöchentlichem Wechsel Arbeiten zu sehen, die KünstlerInnen mit 27 Jahren realisiert haben. Rut Himmelsbach, Claudio Moser und Julia Müller machen den Anfang. Ein cleverer und Neugier weckender Schachzug, alte Freundschaften zu pflegen und zugleich dem Motto «Junge Kunst» Nachdruck zu verleihen.

Der Schalter besteht aus einem rechtecki-gen Raum mit angrenzendem Annex, in dem knapp ein Bett Platz hat. Konzipiert wird er von den beiden Künstlerinnen und Studierenden der HGK (Hochschule für Gestaltung und Kunst) Karin Hueber und Dagmar Heppner. Die beiden legen einen Schwerpunkt auf die junge Basler Szene mit Seitenblicken auf
andere Schweizer Städte und das nahe Ausland. Der Schalter bietet die Gelegenheit, erste Ausstellungen in eigener Verantwortung zu realisieren. Unterstützt und finanziert wird
der Raum von der Abteilung «Bildende Kunst, Medienkunst» der HGK Basel. Die erste Ausstellung mit dem Titel «zeichnungundsoweiter» zeigt die beiden Künstlerinnen Wilma Benz und Rahel Schelker, die Zeichnungen und Objekte wie Gedächtnisse benutzen, wobei die Gedanken und Erlebnisse auf dem Papier zusammenfinden und dort neue Welten kreieren. Spannende Interferenzen zwischen beiden Projekten sind zu erwarten.

Schalter, Claragraben 135, offen Do–So, 16–20 Uhr, Infos: 076 5440929
Filiale, Claragraben 131, offen Mi–So, 16–20 Uhr.

Bis 
20.03.2004

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