Mario Sala in der Galerie Ars Futura

Mario Sala · Eingang oben, 2003, Mixed Media, 51 x 41 x 65 cm

Mario Sala · Eingang oben, 2003, Mixed Media, 51 x 41 x 65 cm

Besprechung

Im neuen, wunderbaren Film «Spring, Summer, Fall, Winter and Spring» des koreanischen Filmemachers Kim Ki-duk kennzeichnen Pforten und Türen die Schwelle zu einem erweiterten Bewusstsein. Auch der Winterthurer Künstler Mario Sala erkundet in seiner neuen Bildserie Schwellensituationen, allerdings solche ganz alltäglicher Natur, in der für ihn charakteristischen komplexen Art und Weise.

Mario Sala in der Galerie Ars Futura

Betritt man einen Raum, nimmt man unmittelbar seine Temperatur und Atmosphäre wahr. Man spürt, ob die Stimmung einladend, abweisend oder gar unheimlich ist. Gleichzeitig können Erinnerungen wach und Gefühle ausgelöst werden. Just diesen Moment hat Mario Sala (*1965) zu erfassen versucht und ihn aus der Erinnerung in Bildräumen von reichabgestuften Blau-, Rot- und Gelbtönen greifbar gemacht. Als Vorlage für die sieben Räume diente die Presseaufnahme eines Konzertes der amerikanischen Funrockband «Red Hot Chilli Peppers». Durch Überlagerungen von Farbschichten und Motiven, die Setzung von leuchtenden Kreisformen oder ineinanderverschachtelten Perspektiven entstehen verschiedenartige Räume. Diese sind mal von grellem Licht, mal von klirrender Kälte oder von kochender Stimmung erfüllt. Durch diese künstlerische Transformation lassen sich die auf der Bühne rockenden Männer und die Lightshow nur noch andeutungsweise ausmachen. Es bleibt die Erinnerung an dieses Konzert, an seinen Groove und an die Stimmung im Saal, die sich während des malerischen Vorgangs verwandelt hat.

Im Rückblick oder im Traum wandelt sich vieles in sein Gegenteil. So haben wir die
Tendenz, unangenehme Erlebnisse zu verschönern, vergangene, schwierige Zeiten und Menschen zu verklären und Unwichtiges hochzustilisieren. Diesen Prozess stellt Sala durch die proportionale Verfremdung dar. So geben «Entrée I, Entrée II» und «Haupteingang» eine Modellsituation der Bahnhofshalle von Winterthur wieder, welche Sala 1999 mit einer mehrteiligen Arbeit bestückt hat. Die Halle ist aus einer Kinderperspektive erfasst, ebenso wie das Objekt «Eingang oben» aufgrund seiner erhöhten Platzierung. Es evoziert eine Puppenstube, deren Decken- und Wandbemalung an Salas Installation in der Schalterhalle des Bahnhofs Winterthur erinnert, während die vergitterte Türe in Bezug zur jetzigen Ausstellung steht. Derart pendelt Sala zwischen realen Begebenheiten und der Erinnerung hin und her. Dadurch verliert die Selbstverständlichkeit des Alltags an Relevanz und wird vom Wesen der Erinnerung in seiner Flüchtigkeit, Transparenz und Vergänglichkeit überschattet.

So entstehen Salas Werke in einem Dialog von Erinnerung und unmittelbarem Erleben. Sie arbeiten als erfundene Konstruktionen und als Referenzobjekte den manchmal obskuren Zusammenhang von Räumen, Körpern und dem psychischen Geschehen heraus. Seine Arbeiten sind das Kondensat seiner Fantasien und Gedanken, die er durch einen pastosen, farbintensiven Auftrag auf fotografische Vorlagen verstofflicht. Dadurch nehmen die Werke eigene sinnliche Formen an, ohne jedoch in eine endgültige Bildform gezwungen zu werden, da sich verschiedene Bildebenen immer wieder neu ineinander verweben.

Bis 
05.03.2004
Autor/innen
Dominique von Burg
Künstler/innen
Mario Sala

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