Omer Fast

Omer Fast · Take a Deep Breath, 2008, 2-Kanal-Videoinstallation, 27 Min. Videostill: Yon Thomas. Courtesy gb agency, Postmaster, Arratia Beer

Omer Fast · Take a Deep Breath, 2008, 2-Kanal-Videoinstallation, 27 Min. Videostill: Yon Thomas. Courtesy gb agency, Postmaster, Arratia Beer

Omer Fast · De Grote Boodschap, 2007, 1-Kanal-Videoinstallation, 27 Min. Videostill: Erik Cnodder. Courtesy gb agency, Postmaster, Arratia Beer

Omer Fast · De Grote Boodschap, 2007, 1-Kanal-Videoinstallation, 27 Min. Videostill: Erik Cnodder. Courtesy gb agency, Postmaster, Arratia Beer

Besprechung

Der in Israel geborene, in Berlin lebende Omer Fast gehört zu den spannendsten Vertretern aktueller Videokunst. In komplexen Inszenierungen seziert er sich überlagernde Schichten von Erinnerung und medialer Übersetzung, Realität und Fiktion. Die aktuelle Ausstellung zeigt drei neue Arbeiten.

Omer Fast

Auf dem Weg zu seinem Lieblingsfalafellokal in Jerusalem hört der Arzt Martin F. eine Detonation. Am Unglücksort findet er in den Trümmern eine einzige Person, der beide Beine und ein Arm fehlen. Erst nach erfolgloser Mund-zu-Mund Beatmung dämmert ihm, dass es sich um den Selbstmordattentäter gehandelt haben muss, was ihn vor ein persönliches Dilemma stellt. Die Narration des meist aus dem Off erzählten Augenzeugenberichts kippt, als der vermeintliche Selbstmordattentäter noch vor dem Cut die Augen öffnet - der Zuschauer findet sich auf einem chaotischen Filmset in LA wieder, wo das Geschehen in Form von Tableaux Vivants nachgestellt werden soll. Die geloopte Zweikanalinstallation verwebt verschiedene Zeit- und Realitätseben zu einem komplexen narrativen Konstrukt, in dessen Verlauf sich das Geschehen auf dem Set selbst als Inszenierung entlarvt. Wie schon in vorausgegangenen Arbeiten - etwa «Spielbergs List» oder «The Casting» - untersucht Fast in seinem jüngsten Film «Take A Deep Breath» das Verhältnis von persönlicher Erinnerung und rekonstruierter Geschichte, sowie die vielfachen Transformationen durch Regisseur, Kamera, Schauspieler, Statisten, Übersetzung, Schnitt und Nachbearbeitung. Die erzählerischen Konventionen der Film- und Fernsehindustrie werden dabei minutiös dekonstruiert und blossgelegt.
Die Einkanalinstallation «De Grote Boodschap», 2007, konzipiert für die Contour Biennale in der belgischen Stadt Mechelen, bedient sich des von TV-Serien bekannten Formats. Die Kamera gleitet zwischen drei Appartements und vier Erzählsträngen hin und her, in deren Zentrum eine alte Frau und ihre obskure Geschichte, sowie zwei Paare und ein arabischer Nachmieter stehen. Die Protagonisten sind gefangen in einer Zeitschlaufe, in ihren Erinnerungen, Fremdenangst und Paranoia. «Looking Pretty For God», 2008, verschränkt Bilder und Interviews aus Bestattungsinstituten mit Aufnahmen eines Kindercastings, wobei die Bedeutung von «Make-up» ultimative Fragen der Repräsentation zwischen Erinnerung, Illusion und Vermarktungsstrategien stellt. Omer Fasts Arbeit steht dem Dokumentarischen konträr gegenüber. Es geht nicht um Wahrheitsfindung zwischen Realität und Fiktion, sondern um verschiedene Weisen eine Geschichte zu erzählen, und darum, die vielfachen Missverständnisse und Verschiebungen, nicht ohne Selbstironie und leisen Humor aufzudecken. Letztendlich geht es immer um den Menschen, nicht um das, was er repräsentiert.

Bis 
21.03.2009

Katalog zusammen mit dem Kunstverein Hannover

Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
Kunsthaus Baselland Schweiz Basel/Muttenz
Künstler/innen
Omer Fast
Autor/innen
Eva Scharrer

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